Achter Vortrag

GA 205/1921-07-08/p017 ·1921-07-08 · original (original)
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Wie gesagt, das kann man nur durch geistiges Schauen ergründen. Aber es gibt einen andern Weg, durch den Sie dieses geistige Schauen in diesem Punkte kontrollieren können. Es ist Ihnen doch klar, in gewisse Regionen des eigenen Organismus kann das gewöhnliche Bewußtsein nicht untertauchen. Ich habe davon in den letzten Vorträgen viel gesprochen. Ich habe gesagt: Dadurch, daß wir für das gewöhnliche Bewußtsein unser Gedächtnis, unser Erinnerungsvermögen haben, ist uns gewissermaßen nach innen hin eine Haut gezogen gegenüber unseren inneren Organen. Wir können nicht unmittelbar durch innere Anschauung beobachten, was die inneren Organe sind, Lunge, Leber und so weiter. Aber ich sagte auch: Es ist eine falsche Mystik, eine nebulose Mystik, welche nur so nach dem Inneren hinein phantasiert und etwa so redet wie die Heilige Therese oder die Mechthild von Magdeburg, die allerlei schöne poetische Bilder finden - die Schönheit soll nicht bestritten werden -, die aber nichts weiter sind als organische Ausflüsse. Gibt man sich nicht dieser nebulosen Mystik hin, sondern der wirklichen Geisteserforschung, so kommt man gerade, wenn man nach dem Inneren des Menschen vordringt, zu der Erkenntnis der Organe. Man sieht geistig die Bedeutung von Lunge, Leber, Niere und so weiter, man durchstößt geistig das Erinnerungshäutchen und kommt zu einem inneren Durchschauen des Menschen. Aber das ist etwas, was man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein eben nicht erreichen kann. Mit dem gewöhnlichen Bewußtsein ist es nur möglich, äußerlich durch die Anatomie zu beobachten, wie die Organe sich ausnehmen, wenn man sie als angehörig der gewöhnlichen physischen und mineralischen Welt betrachtet. Aber innerlich anzuschauen, was sie an Kräften durchdringt, was sie durchsetzt, was in ihnen tätig ist, was ich Ihnen ja in den letzten Tagen beschrieben habe, dazu gehört ein wirklich ausgebildetes geistiges Anschauen.

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