Achter Vortrag

GA 205/1921-07-08/p027 ·1921-07-08 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Es ist außerordentlich wichtig, daß man sich das ganz klarmacht, daß, wenn wir des Morgens aufwachen, also eintauchen in unseren Leib, wir durch dieses Eintauchen gezwungen werden, den Willen in einer gewissen Weise zu formen. Wäre unser Leib nicht schon in einer gewissen Weise geformt, der Wille, der würde nach allen Seiten quallenhaft wirbeln beim Aufwachen; der Wille könnte beim Aufwachen quallenhaft nach allen Seiten chaotisch streben. Das tut er nicht, weil er in die bestehende Menschenform eintaucht. Da taucht er unter, nimmt alle diese Formen an; das gibt ihm die logische Gliederung. Das macht es, daß er aus dem Menschenleib heraus den sonst chaotisch durcheinanderwirbelnden Gedanken die Logik gibt. In der Nacht, wenn der Mensch schläft, ist der Mensch eingespannt in die Überlogik des Kosmos. Die kann er nicht festhalten. Aber wenn er nun in den Leib untertaucht, so nimmt der Wille die Form des Leibes an. Genau so, wie wenn Sie Wasser in ein Gefäß hineingießen und das Wasser die Form des Gefäßes annimmt, so nimmt der Wille die Form des Leibes an. Aber nicht nur, wie wenn Sie Wasser in ein Gefäß gießen und das Wasser nimmt die ganze Form des Gefäßes an, nicht nur so ist es beim Willen, daß er die Raumesformen annimmt, sondern er fließt in die kleinsten Aderchen überall hinein. Das kann sich ja nicht bewegen höchstens beim Professor Traub bewegen sich Tische und Stühle im Raume von selbst, das ist jedoch theologische Universitätslogik, sonst bewegt sich solch ein Gerät nicht —, da nimmt das Wasser die ruhende Form an und nur an den Außenwänden stößt es an. Aber beim Menschen gliedert sich dieser Wille ganz hinein in alle einzelnen Verzwei gungen und von da aus beherrscht er dann den sonstigen chaotischen Bilderablauf. Dasjenige, was man da also als Unterströmung wahrnimmt, das ist, möchte ich sagen, losgelassen vom Leib. Das ist auch wirklich losgelassen vom Leib, das ist etwas, was zwar mit dem Menschenleib verbunden ist, was aber eigentlich fortwährend sich frei zu machen strebt vom Menschenleib, was fortwährend heraus will aus den Formen dieses Menschenleibes. Dasjenige aber, was der Mensch beim Einschlafen herausträgt aus dem Leib, was er in den Kosmos hineinträgt, was dann untertaucht, das fügt sich dem Gesetz des Leibes an.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/205/1921-07-08/p027.json
Cite: GA 205/1921-07-08/p027 · edition original