Zweiundzwanzigster Vortrag
Aber versuchen Sie einmal, von diesem Ausgangspunkt weiterzugehen. Erinnern Sie sich, daß ich oftmals darauf hingewiesen habe, wie der Mensch eigentlich in seinem gewöhnlichen Bewußtsein dies helle, klare Tagesbewußtsein, das er vom Aufwachen bis zum Einschlafen trägt, nur über sein Vorstellungsleben hat, während dasjenige, was in uns vorgeht, wenn wir den Willen entwickeln, in ein Finsteres hinuntertaucht wie das Leben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Wir schlafen, so sagte ich oftmals, nicht nur vom Einschlafen bis zum Aufwachen ganz, sondern wir schlafen auch im wachenden Zustande partiell für unsere Willenstätigkeit. Alles was in uns als wollende Betätigung lebt, ist eigentlich in einen Schlafzustand eingehüllt. Wir wissen, wenn wir die Hand heben wollen, von unseren Absichten, von unseren Willensmotiven, aber wir verhalten uns zu dem, was da eigentlich in uns vorgeht, indem die Hand wirklich gehoben wird, indem also der Wille entfaltet wird, gerade so, wie wir uns zu uns selbst verhalten, wenn wir schlafen. Was geschieht da eigentlich? Was liegt da eigentlich vor?
Cite:
GA 206/1921-08-14/p010 · edition original