Vierter Vortrag
Das ist dasjenige, womit wir durch den Tod gehen. Alles das, was in den Tiefen unseres Wesens waltet als Wille, es trägt im tiefsten Inneren die Sehnsucht in sich, Mensch zu werden. Man kann das beobachten mit dem imaginativen Bewußtsein, wenn man den schlafenden Menschen beobachtet, der den Willen ja außer sich hat, in dem Ich den Willen außer sich hat. Da drückt sich schon deutlich in dem außerhalb des Menschenleibes Befindlichen die Sehnsucht aus, beim Aufwachen wiederum zurückzukehren, um menschenähnlich sich zu gestalten in der Ausbreitung des menschlichen physischen Leibes selbst. Aber diese Sehnsucht bleibt über den Tod hinaus. Was willensartiger Natur ist, das will Mensch werden, währenddem das, was gedankenhafter Natur ist und was sich verbinden muß gerade mit den Gedanken, die dem physischen Leben so nahe sind, mit den Gedanken, die eigentlich unser menschliches Gewebe bilden, die unsere menschliche Figur zwischen Geburt und Tod haben -, das nimmt die Sehnsucht an, sich wiederum zu zerstreuen, sich wiederum zu zerfluten, Welt zu werden. Und das dauert dann bis ungefähr in die Mitte der Zeit, die wir zubringen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
Cite:
GA 207/1921-10-01/p025 · edition original