Vierter Vortrag
In demselben Augenblicke, wo die Gedanken die Sehnsucht bekommen, wiederum Mensch zu werden, tritt bei dem Willen das Umgekehrte ein. Der Wille entwickelt ja zunächst die Sehnsucht, Mensch zu werden in dem geistigen Elemente, das wir durchleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Diese Sehnsucht ist es, die den Willen am meisten erfüllt. Es hat da draußen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt gewissermaßen ein geistiges Abbild des Menschen erlebt; darinnen entsteht jetzt die lebhafteste Sehnsucht, wieder Welt zu werden. Gewissermaßen breitet sich der Wille aus; er wird Welt, er wird kosmisch. Dadurch, daß er sich ausbreitet, gelangt er auch eben in die Nähe derjenigen Naturströmung, die dann durch die Vererbungslinie gebildet wird im Fortgang der Generationen. So daß das, was als Wille wirkt im geistig-physischen Kosmos, was als Wille beginnt, um die Mitternachtsstunde des Daseins die Sehnsucht zu haben, Welt zu werden, daß das eigentlich schon in der Generationenfolge lebt. Wenn wir dann in der anderen Strömung, die die Sehnsucht hat, Mensch zu werden, uns einkörpern, ist uns vorangegangen der Wille im Weltwerden. Er lebt schon in der Fortpflanzung der Generation, in die wir dann untertauchen. In dem, was wir von den Vorfahren bekommen, lebt schon der Wille, der da Welt werden wollte von der Mitternachtsstunde des Daseins an, und mit diesem Welt-werden-Wollenden Willen kommen wir zusammen, indem das, was seit der Mitternachtsstunde des Daseins in den Gedanken von uns Mensch werden will, sich dann in das eingliedert.
Cite:
GA 207/1921-10-01/p027 · edition original