Fünfter Vortrag
Im Wollen leben alle Motive unserer moralischen Gedanken. Aber auch im Denken, im subjektiven Denken sind wir uns bewußt, daß wir nicht nur einen Gedankeninhalt haben. Wir reihen einen Gedanken an den anderen an, und wir sind uns der Tätigkeit bewußt, die einen Gedanken an den anderen anreiht. Was lebt denn da im Denken? Nun, es lebt auf eine feine Weise im Denken, namentlich im subjektiven Denken, schon der Wille. Wir müssen uns also klar sein: Indem wir denken, lebt auf der einen Seite der Gedankeninhalt, auf der anderen Seite die Willenstätigkeit im Denken. Wenn nun die Gedanken hier anstoßen (siehe Zeichnung) — sie werden uns allerdings als Gedanken zurückreflektiert, aber in den Gedanken, in diesen subjektiven Gedanken, die wir gewissermaßen hineinprojizieren, hineinstoßen nach dem Gedankengewebe, lebt ja auch Wille. Diesen Willen können wir eigentlich im gewöhnlichen Bewußtsein nicht brauchen. Fühlen Sie nur, wenn diese Tätigkeit, die ich Ihnen hier angedeutet habe, ganz klar zum Ausdruck käme in der Erinnerung: in der Erinnerung muß der Wille schon geschwunden sein! Er muß noch tätig sein; aber wenn die Erinnerung fertig ist, wenn der erinnerte Gedanke da ist — die Erinnerung würde ja nicht rein sein, sie würde nicht klar abbilden, was sie abbilden soll als ein vergangenes Erlebnis, wenn sie vom Willen durchwert
Cite:
GA 207/1921-10-02/p024 · edition original