{"corpus":"steiner","locus":"GA 207/1921-10-09/p018","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Es ist durchaus begreiflich, daß Nietzsche, der nur tragisch gelitten hat an unserer rein intellektualistischen Kultur, diesen intellektualistischen Begriff des Übermenschen, der eigentlich im Grunde genommen keinen Inhalt hat, aus dem, was man eben haben konnte in der intellektualistischen Kultur, herausdestilliert hat. Nietzsche ist ja auch nicht zu einem wirklichen Begreifen des Christus gekommen. Und es hat sich ihm das Eigentümliche ergeben, daß er aus diesem Drange des IchKeimes heraus, und wiederum aus der Notwendigkeit, stehenzubleiben innerhalb der intellektualistischen Kultur, nun nicht zu einem Anbeter des Christus, sondern zu einem Anbeter des Antichrist, geradezu zu einem Verehrer und Glorifizierer des Antichrist geworden ist. Das Antichristentum ist in Nietzsche genial zutage getreten. Aber dieses Antichristentum würde, wenn es das bleiben sollte, was es ist, nichts anderes vollziehen können, als den Menschen dazu zu veranlassen, zu träumen von einem abstrakten Übermenschen, aber sich zu gleicher Zeit die Gewißheit einzupflanzen, daß dieser abstrakte Übermensch mit dem Erdendasein stirbt. Nietzsche wollte noch krampfhaft festhalten an der Entwickelungsidee. Aber auch dieses krampfhafte Festhalten half ihm nichts. Er kam aus den Abstraktionen des Intellektualismus nur zu einer «Wiederholung des Gleichen», so daß sich später nicht höhere Stufen ergeben würden, sondern immer nur die Wiederholung des Gleichen, die aber auch, wie gesagt, krampfhaft nur da ist, um die Entwickelungsidee festzuhalten.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Achter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-10-09","location":null,"word_count":213,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/207/1921-10-09/p018","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/207/1921-10-09/p018"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/207/1921-10-09/p018"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}