Dreizehnter Vortrag
Wenn Sie sich noch einmal ansehen den Kursus, den ich 1914 gehalten habe über das Leben zwischen dem 'Tode und einer neuen Geburt, so werden Sie darinnen manche Angaben finden, die sich ergänzend verhalten können zu demjenigen, was ich in diesen Tagen und Wochen vorbereitet habe. Heute möchte ich insbesondere aufmerksam machen auf jenen Wechsel in den Lebenszuständen, der auch stattfindet zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, wie hier im Leben zwischen der Geburt und dem Tode der Wechsel zwischen Wachen und Schlafen. Wir haben ja unser normales Bewußtsein, das uns eigentlich zwischen Geburt und Tod zu Menschen macht, eben im Wachen, und sind im Schlafe gewissermaßen heruntergestimmt in unserem Bewußtsein. Unser Bewußtsein ist dann unter der Schwelle unseres Wachseins, und wir erleben die Vorgänge, innerhalb welcher wir stehen zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, nur dumpf, entweder ganz dumpf im vollen Schlafe, oder so, daß aus dem Schlafe in Form der Träume gewisse Lebensreminiszenzen oder innere Vorgänge des Organismus im Bilde sich darstellen. Ein ähnlicher Wechsel ist nun auch vorhanden in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Nur ist da alles gewissermaßen umgekehrt im Verhältnis zu den Zuständen, in denen wir jetzt sind. Ich habe Ihnen ja gestern geschildert, wie radikal anders der Mensch erlebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt gegenüber dem Erleben hier auf der Erde. So ist es auch mit diesen Bewußtseinswechselzuständen. Wir haben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt die Erlebnisse, wie ich sie gestern geschildert habe: die Erlebnisse, die uns unser Ich in seinen Taten, seinen Willensimpulsen zeigen. Dieses Bewußtsein, in dem wir unser Ich haben, das ist für diese geistigen Lebenszustände gewissermaßen das normale, wie hier der Wachzustand der normale ist. Wir haben ja gesehen, daß wir hier gewissermaßen aufgebaut sind aus physischem Leib, Ätherleib; astralischem Leib und Ich, dort aus dem Ich, dem Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmenschen, in der Anlage zunächst. Das Ich also ist das unterste Glied zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Aber so wie wir uns hier innerlich unseres Ich bewußt werden im Wachbewußtsein, so werden wir uns dort in dem mit dem hiesigen vergleichbaren Bewußtsein unseres Ich gewissermaßen wie eines Außenerlebnisses bewußt in den Taten, in den Willensimpulsen, auf die wir zurückschauen, die von uns so erlebt werden, als strahlten sie uns, wie ich es geschildert habe, von der Erde zurück.
Cite:
GA 208/1921-10-22_02/p003 · edition original