Achtzehnter Vortrag
Aber daß der Mensch sich als ein individuelles Wesen fühlt, das verdankt er doch eigentlich dem Schlafe. Wenn der Mensch nur wachend dem Vorstellungsleben hingegeben wäre, so würde er die Welt gewissermaßen nur wie einen Ablauf von Bildern erleben. Er würde sich gewissermaßen ruhend fühlen, wie in einem Punkte des Weltenalls verharrend, und in Bildern würde das Weltenall vorhanden sein. Im Bildweben würde auch das Ich wie eine Art von Spiegelbild von etwas, aber doch eben nur wie ein Bild vorhanden sein. Nur dadurch, daß wir in dieses wache Vorstellungsleben gewissermaßen hineingießen erstens das fortwährende Erinnern daran, daß wir eigentlich Zustände haben, in denen wir nichts erleben, Schlafzustände, die Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen, das führt uns auf uns selbst zurück. Und auch die unbestimmte Besinnung darauf, was wir wollen, also daß etwas Schlafartiges in unser bewußtes Dasein hineinspielt, das gibt uns unser Ich-Gefühl, unseren Ich-Impuls. Wir erleben ihn im gewöhnlichen Leben nicht vollbewußt, wir erleben ihn gewissermaßen als den aus unserer Organisation kommenden Stoß in das Bewußtsein hinein, diesen Ich-Impuls. Und wir erleben ihn auf der anderen Seite dadurch, daß wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen eben mit unserem Ich, das aber sonst ja nicht in das gewöhnliche Bewußtsein hereintritt und mit unserem astralischen Leibe, der ebensowenig in das gewöhnliche Bewußtsein hereintritt, daß wir mit diesen uns in den Kosmos hinausbegeben und daß das gewissermaßen in unser Bewußtsein hereinschlägt, was wir als Verdunkelung dieses Bewußtseins erleben vom Einschlafen bis zum Aufwachen.
Cite:
GA 208/1921-11-04/p009 · edition original