Achtzehnter Vortrag

GA 208/1921-11-04/p031 ·1921-11-04 · original (original)
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Der Mensch wacht, indem er im Wachen Bilder erlebt, das heißt, er ist des Geistes teilhaftig. Aber er erkauft für das Leben zwischen Geburt und Tod diese Teilhaftigkeit am Geist, indem er den Geist nicht als Wirklichkeit, sondern als Bildhaftigkeit in sich hat. Der Mensch hat aber den Geist auch zwischen Geburt und Tod als Wirklichkeit in sich; aber er erkauft diese Wirklichkeit dadurch, daß er diese Wirklichkeit nur schlafend, sei es wachend schlafend, sei es wirklich schlafend, erlebt. Und man müßte eigentlich sagen: Leben zwischen Geburt und Tod besteht darin, daß der Mensch den Geist in Bildesabglanz erlebt, die Wirklichkeit aber nicht bewußt erlebt; sondern diese Wirklichkeit erscheint ihm nur durch das Medium der Leiblichkeit. Zwischen Geburt und Tod sehen wir den Geist durch seine Leiblichkeit. Wir sehen eigentlich nicht in Wirklichkeit Materie. Die Materie ist der äußere Schein des Geistes. Wir sehen den Geist von außen, indem wir Materie sehen. So daß wir sagen können: Sehen wir Materie, sei es Materie draußen in der Welt, sei es Materie am Menschen, dann ist es eigentlich immer so, daß die Wirklichkeit sich uns verbirgt und die Oberfläche uns erscheint, wo der Geist aus der leiblichen Wirklichkeit, aus der materiellen Wirklichkeit heraus sich offenbart.

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Cite: GA 208/1921-11-04/p031 · edition original