Einundzwanzigster Vortrag
Die Naturwissenschaft weiß natürlich nichts von dem, was da heraustritt aus dem Menschen und vorhanden ist vom willensmäßigen Ich und gefühlsmäßigen Astralleib in der übersinnlichen Welt. Aber dieses Nichts, das die Naturwissenschaft ausdrückt, was ist es im Lichte unserer heutigen Betrachtungen? Das ist ja gerade etwas, was innerhalb der moralischen Weltordnung steht! Also gerade an dem Punkte, wo die naturwissenschaftliche Weltanschauung aufhört zu betrachten, da beginnt auch als reale Welt die eigentliche Wirksamkeit des Moralischen. Und nur in ihren Wirkungen zeigt sich dieses Moralische in der menschlichen Verfassung nach dem Aufwachen. Wir müßten also, wenn wir überhaupt das Terrain betreten wollen, wo das MoralischReale gefunden werden kann, die Welt betrachten, die der Mensch durchlebt zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Kein Wunder also, da ja die naturwissenschaftliche Weltanschauung dieses Terrain nicht betritt, daß sie nur das kennt als real, was die moralischen Impulse nicht enthält und die moralischen Impulse auf das Gebiet des bloßen Glaubens verweist.
Cite:
GA 208/1921-11-12/p036 · edition original