Zweiundzwanzigster Vortrag

GA 208/1921-11-13/p007 ·1921-11-13 · original (original)
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Das physische Gehirn, man betrachtet es ja heute in der Wissenschaft so, als ob es in seinem Bau nur ein Ergebnis der väterlichen und mütterlichen Organisation sei. Aber wir haben aus verschiedenen Betrachtungen, die wir angestellt haben, ja schon gesehen, daß das nicht den Tatsachen entspricht. Was beim Werden des Menschen hier in der physischen Welt vor sich geht, das besteht, wenn man es etwas grob und radikal ausspricht, darin, daß im mütterlichen Leibe eigentlich zunächst die Substanz ins Chaos geworfen wird und daß dieser chaotischen Substanz, die verlassen hat die Gesetzmäßigkeit sowohl des Chemischen wie des Physischen, eingepflanzt werden aus dem Universum heraus die Kräfte, welche den Embryo konstituieren. Und in diesen Kräften, die aus dem Universum heraus im mütterlichen Leibe gestaltend wirken, in denen befinden sich ja auch eingeimpft, möchte ich sagen, die Kräfte, die der Mensch selber mitbringt, nachdem er die Zeit durchlaufen hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Man möchte eigentlich sagen: Der Mensch wird selbst seiner Form nach dem mütterlichen Leib eingepflanzt. Im mütterlichen Leib wird nur das Bett für den Menschen geformt, und es ist eben im Universum so eingerichtet, daß da, wo eine Gelegenheit geschaffen wird, daß etwas Bestimmtes entstehen kann, dann dieses Bestimmte entsteht.

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