Zweiundzwanzigster Vortrag

GA 208/1921-11-13/p031 ·1921-11-13 · original (original)
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Denken Sie sich, der Mensch hätte nicht durchgemacht dieses Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt — wie ja das Tier es nicht durchgemacht hat -, sondern er käme so zur Welt, wie es die Aristotelische Weltanschauung fordert: Er würde ein neugeschaffenes Wesen bei seiner Geburt sein. Er brächte sich nicht die Wirkungen früherer Erdenleben und des Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in das Leben herein. Dann würde der Mensch seinen Blick schweifen lassen, seine Sinne schweifen lassen über die äußeren Erfahrungen, aber er würde niemals diese äußeren Erfahrungen durch Begriffe, Vorstellungen der Geometrie und der Mathematik verbinden. Das ist nur ein Fall, aber es ist einer derjenigen Fälle, wo das, was für den Kosmos gilt, die Geometrie, in eine Wechselwirkung tritt mit dem, was nur für die irdische Umgebung gilt. Es wird das Irdische durchsetzt, die empirische Erfahrung wird durchsetzt von dem rationellen Mathematisch-Geometrischen. Aber diese Wechselwirkung findet fortwährend statt, und sie findet so statt, daß darin das Geistselbst als Bewußtsein wirkt. Davon wissen natürlich die mathematischen Weltenbetrachter nichts, daß, während sie wirklich mathematisch betrachten, eigentlich immer das Geistselbst sie hinten beim Schüppel hat. Aber sie beachten das nicht, weil sie sich beschränken auf die Reflexion, die im gewöhnlichen menschlichen Bewußtsein davon vorhanden ist.

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Cite: GA 208/1921-11-13/p031 · edition original