Neujahrsbetrachtung

GA 210/1922-01-01/p020 ·1922-01-01 · original (original)
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Indem man das Ahrimanische und das Luziferische der Seele charakterisiert, sieht man, wie auch das menschliche Seelische in einem Gleichgewichtszustande sein muß zwischen zwei polarischen Gegensätzen. Man kann sagen, auch das Luziferische zeigt die Möglichkeit eines Irrweges, aber auch die Möglichkeit einer notwendigen Fortentwickelung des richtigen menschlichen Wesens. Der Abweg ist die verschwommene, verschwimmelnde, nebulos werdende Mystik, welche alle klaren Begriffe in ein unbestimmtes, nebelhaftes Helldunkel zerflattert und dadurch den Menschen über sich selber hinausführen will. Dasjenige aber, was nicht nur ein berechtigtes, sondern geradezu im notwendigen Fortschritt der Menschheit liegendes luziferisches Wirken ist, das zeigt sich dann, wenn der Mensch so schafft, daß er nicht das materielle Dasein mit den heute realen Lebensprinzipien durchdringt, um die Impulse dieses materiellen Daseins voll auszunützen, wie das im Ahrimanischen der Fall ist, sondern wenn er das materielle Dasein bis zur Scheinhaftigkeit ablähmt und es in dieser Scheinhaftigkeit benützt, um ein Übersinnliches darzustellen, um etwas darzustellen, was geistig wirklich ist, aber in dieser geistigen Wirklichkeit nicht auch sinnlich wirklich sein kann durch das bloße Naturdasein.

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Cite: GA 210/1922-01-01/p020 · edition original