Neujahrsbetrachtung

GA 210/1922-01-01/p034 ·1922-01-01 · original (original)
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Ich führe dieses Beispiel an, nicht weil es ein politisches ist, sondern aus dem Grunde, weil es gerade eklatant zeigt: Zwei Menschen können ganz genau wörtlich dasselbe sagen, und doch entspricht es einer entgegengesetzten Wirklichkeit. Ich möchte dadurch darauf aufmerksam machen, daß wir in eine Zeit eintreten müssen, wo es uns weniger auf den Wortlaut ankommt und mehr auf das Erleben der Wirklichkeit. Sonst verfallen wir gerade in dem Gebiete des geistigen Lebens in die Phrase, die eine so große Rolle spielt in unserem gegenwärtigen geistigen Dasein. Gerade dieser Übergang von dem bloß inhaltlich Richtigen zu dem lebendig erlebten Wahren, dieser Übergang soll bewirkt werden durch das Eintreten der Initiationswissenschaft, die vom bloß logischen Inhalt zu dem Erleben der geistigen Welt geht, in die Zivilisation der Menschheit. Und derjenige, der richtig die äußeren Symptome des geschichtlichen Werdens in der Gegenwart für die nächste Zukunft hinein betrachtet, der wird sich aus diesen Symptomen heraus ein Gefühl und eine Empfindung für den berechtigten, für den notwendigen Eintritt der Initiationswissenschaft in die Weltzivilisation erringen können. Das, meine verehrten Anwesenden, meine lieben Freunde, wollte ich heute noch als eine Art Neujahrsbetrachtung vor Ihre Seele hinstellen.

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Cite: GA 210/1922-01-01/p034 · edition original