Westen, Osten und Mitte
Meine lieben Freunde, die Menschheit ist ausgegangen von einer Einheit. Und gehen wir zurück in die dunklen grauen Urzeiten der Menschheitsentwickelung, finden wir eine Urweltweisheit, die allerdings noch instinktiv war, die aber gerade als solche instinktive Weisheit den ganzen Menschen erfüllte. Über die ganze Erde hin verständigte man sich noch nicht durch den logischen Gehalt der Sprache, sondern man verständigte sich in der Urweltweisheit äußerlich, weil man noch die innere Fähigkeit hatte, sich, ich möchte sagen in Gebärden zu verstehen, von denen der heutige Mensch keine Ahnung mehr hat. Man verständigte sich durch etwas, was heute höchstens erhalten geblieben ist in jenen Resten unserer Sprachschätze, die wir als Interjektionen, als Empfindungswörter bezeichnen. Natürlich, wenn der Mensch seufzt: «Ach!», wenn der Mensch äußert: «Oh!», dann versteht man ihn überall! Solch einem Verstehen war das Verstehen zur Zeit der instinktiven Urweltweisheit ähnlich. Heute haben wir verlernt, in der ganzen Sprache so zu empfinden, wie die Urweltweisheit empfunden hat, und geblieben ist ein solches Empfinden nur gegenüber den Interjektionen, den Empfindungswörtern, welche wir ja nur ausnahmsweise gebrauchen.
Cite:
GA 210/1922-01-07/p018 · edition original