Westen, Osten und Mitte

GA 210/1922-01-07/p023 ·1922-01-07 · original (original)
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Es genügt nicht, daß man den Christus nur anspricht als: «Herr, Herr!» - Der Christus muß etwas werden, was den ganzen Menschen ausfüllt. Das kann nur geschehen, wenn man sich eben mit seinem Verstande an etwas anlehnt, das uns etwa dann entgegentritt, wenn wir hinblicken zu der Urweltweisheit und uns sagen: Sie machte die Menschheit zu einer Einheit. - Das war aber eine Einheit, innerhalb welcher die Individualität des einzelnen verlorenging. Dann ging die Evolution weiter. Immer mehr und mehr trat die Individualisierung der Menschheit ein. Immer mehr fühlten sich die Menschen jenem Punkte entgegengehend, wo jeder sich als Einzelner fühlen mußte, denn das ist allein die Gewähr für das Erfühlen der Freiheit. Da mußte in die Menschenentwickelung sich etwas ergießen, was nun wiederum über die ganze Erde hin Einheit bringen kann, und das, was sich da ergossen hat, das ist die Christus-Wesenheit. Und erst dann wird man die Christus-Wesenheit richtig verstehen, wenn man im Hinblicke auf sie fühlen wird den Impuls zu einer sozialen Menschheitsvereinigung über die ganze Erde hin. Und auch umgekehrt kann man sagen: Zu einem richtigen sozialen Impuls über die ganze Erde hin führt nur die richtig verstandene Christus-Wesenheit.

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Cite: GA 210/1922-01-07/p023 · edition original