Der menschliche Organismus in seiner Dreigliedrigkeit und die wiederholten Erdenleben
Nur ganz langsam und allmählich konnte die Menschheit den Weg finden, um das zu verstehen. Und heute ist er ja noch nicht gefunden. Anthroposophie will diesen Weg eröffnen. Aber seitdem die Abstraktheit Platz gegriffen hat, hat man gewissermaßen sogar das Bewußtsein verloren, daß dieser Weg gesucht werden müsse. Bis dahin war ein Ringen darnach vorhanden, und das Ringen zeigt sich gerade am deutlichsten noch an dieser Wende vom vierten in den fünften nachatlantischen Zeitraum hinein. Indem sich das Christentum als eine äußere Erscheinung ausbreitet, ringen gerade die besten Geister darnach, dieses Christentum innerlich zu verstehen. Es ist im Grunde ein fortwährendes Ringen um den Sinn des Christentums, das bei den besten Geistern sich abspielt. Man wollte gewissermaßen lebendig das Weltenrätsel vor den Menschen hinstellen, das heißt den Menschen als solchen wirklich verstehen. Man hatte eben die beiden Strömungen von alten Zeiten her übernommen: Auf der einen Seite die heidnische Strömung, die im Grunde genommen eine Naturweisheit war, die in allen Naturwesen geistig-elementarische Wesenheiten, dämonische Wesenheiten sah, eben jene dämonischen Wesenheiten, von denen das Evangelium erzählt, indem es darauf hinweist, daß die Dämonen sich aufbäumten, als der Christus unter die Menschen trat, weil sie jetzt wußten, ihre Herrschaft ist dahin. Die Menschen haben den Christus nicht erkannt. Die Dämonen haben ihn erkannt. Sie wußten, jetzt wird er Besitz ergreifen von den Herzen, von den Seelen der Menschen; sie müssen sich zurückziehen. Aber sie spielten noch lange eine Rolle in den Gemütern und im Erkenntnisstreben der Menschen. Das heidnische Bewußtsein, das die dämonisch-elementarisch-geistige Natur in allen Naturwesen auf alte Art suchte, das spielte noch lange eine Rolle. Es war eben ein Ringen um jene Erkenntnisart, die überall in dem Irdischen nun auch dasjenige suchen sollte, was durch das Mysterium von Golgatha sich mit dem Erdenleben als die Substanz des Christus selber vereinigt hatte.
Cite:
GA 210/1922-02-18/p019 · edition original