Der menschliche Organismus in seiner Dreigliedrigkeit und die wiederholten Erdenleben
Da tritt- und das ist charakteristisch - in das Leben dieses Cyprianus Justina ein. Hier haben wir den Hinweis auf etwas, was im Drama ganz menschlich dargestellt wird als ein weibliches Wesen, was wir aber doch, wenn wir es bloß als ein weibliches Wesen auffassen, eben nicht voll erfassen. Denn diese mittelalterlichen Dichter werden nicht richtig verstanden, wenn man so, wie das ihre neueren Erklärer tun, immer sagt: Da muß nur das ganz derb materiell Konkrete aufgefaßt werden; wir dürfen zum Beispiel bei der Beatrice des Dante an nichts anderes denken als an ein weiches, weibliches Wesen. - Oder aber die Erklärer gehen an dem Richtigen auch vorbei, indem sie wiederum alles allegorisieren, in eine geistige Sphäre hinaufheben. So weit voneinander, wie für die Köpfe der modernen Erklärer, waren eben damals die geistigen Bilder und die wirklichen Erdenwesen noch nicht. Und so dürfen wir, indem da in dem Calderón-Drarma Justina auftritt, wiederum an die die Welt durchziehende Gerechtigkeit denken, die eben nicht so etwas Abstraktes war wie das, was heute auch die Juristen nicht mehr haben, sondern was in ihrer Bibliothek steht und was sie herausnehmen in Form von einzelnen Bänden. Es wurde eben die Jurisprudenz auch als etwas Lebendiges empfunden.
Cite:
GA 210/1922-02-18/p026 · edition original