V. Das Wesen des Menschen und sein Ausdruck in der griechischen Kunst

GA 211/1922-03-31/p011 ·1922-03-31 · original (original)
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Solch eine Empfindung scheint tatsächlich einmal dagewesen zu sein. Sie kennen ja alle die griechische Sage von Niobe, welche sieben gesunde Söhne und sieben gesunde Töchter hatte und die einmal aus einer Fülle von Gesundheit heraus die Mutter des Apollo und der Artemis verhöhnte, weil diese, trotzdem sie eine Göttin ist, nur zwei Kinder habe: Apollo und Artemis. Sie weigerte sich zu opfern, und die Rache des Gottes oder der Götter kam über sie. Sie mußte es erleben, daß von den Pfeilen des Apollo und der Artemis getroffen ihre sieben Töchter und ihre sieben Söhne ganz plötzlich dahinstarben, getötet wurden. Sie sah das ganze Leichenfeld ihrer vierzehn Sprößlinge vor sich, und ihr Ich und ihr astralischer Leib verbanden sich im Schmerze mit dem, was sie um sich herum sah. Sie kennen die Giebelfiguren der Niobe, die zur Bildsäule wird, um sie herum die sieben Söhne, die sieben Töchter, wie sie an den Tod kommen. Sie selbst wird zur Bildsäule. Der physische Leib, der Ätherleib müssen sich trennen von dem Ich und dem astralischen Leib. Aber dieser physische Leib und der Ätherleib, weil sie so voll von strotzendem Leben waren, daß Niobe selbst die Göttin mit ihren zwei Sprößlingen verhöhnen konnte, konnten nicht den Hang zum Ich verlieren, und der Ätherleib konnte nicht unähnlich werden dem astralischen Leibe. Niobe wurde zur Bildsäule.

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