V. Das Wesen des Menschen und sein Ausdruck in der griechischen Kunst
Solch ein Kunstwerk ist durchaus hervorgegangen aus einer tiefen Weltanschauungsempfindung, aus etwas, das man aus der damaligen Weltanschauung heraus wie eine Wahrheit empfunden hat. Man hat eben empfunden: Wäre Niobe nicht von so strotzendem Leben gewesen, daß sie zur Verhöhnung der Göttin Latona kommen konnte, dann hätte sie so sterben können, daß ihr physischer Leib zerfallen wäre. Aber sie ist eben von so strotzendem Leben gewesen, daß sie sich selbst gegen die Götter auflehnte, daß sie also voll in diesem physischen Leib drinnen lebte. Und so sehen wir, daß der griechische Genius empfindet: Wegen des schnellen Herausgehens des Ich und des astralischen Leibes aus dem physischen und dem Ätherleib wird die Niobe zur Bildsäule.
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GA 211/1922-03-31/p012 · edition original