V. Das Wesen des Menschen und sein Ausdruck in der griechischen Kunst
Wenn man nämlich zurücksieht in der Menschheitsentwickelung, dann schließt sich immer die Kunst durchaus an das Empfinden an, welches mit der Weltanschauung einer betreffenden Zeit zusammenhängt. Wir können das aber auch noch an vielem anderen sehen. Lenken wir noch einmal unseren Blick darauf, wie der Mensch beim Aufwachen wiederum Besitz ergreifen muß von seinem physischen Leibe, weil dieser physische Leib der Erde ähnlich werden will. Hätte Niobe auch nur eine Nacht schlafen können, nachdem sie ihren Schmerz erfahren hatte, dann hätte sie nicht mehr zur Bildsäule werden können, denn der physische Leib würde dann schon die Kräfte in sich aufgenommen haben, der Erde ähnlich zu werden, das heißt zu zerfallen. Die menschliche Wesenheit muß also an jedem Morgen wiederum von dem physischen Leib Besitz ergreifen, und der astralische Leib muß jeden Morgen den Ätherleib sich ähnlich formen, ihn wiederum plastisch gestalten, so daß er menschenähnliche Form annimmt.
Cite:
GA 211/1922-03-31/p013 · edition original