Achter Vortrag

GA 212/1922-05-28_02/p037 ·1922-05-28 · original (original)
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Ich habe ja vielleicht hier schon erzählt von einem älteren Wissenschaftler, mit dem ein anthroposophisches Gespräch vor Jahren einmal geradezu zum Verzweifeln war. Der Betreffende ist ein außerordentlich gelehrter Botaniker. Nun, ich war so naiv oder meinte, ich müßte mich aus gewissen Gründen heraus so naiv geben, ich dachte: mit dem Herrn wird sich über Anthroposophie am besten sprechen lassen, wenn man an die Botanik anknüpft. Ich sprach also aus der Wesenheit der Pflanze heraus, aus der Wesenheit des Blühens, aus der Wesenheit des Keimens mit dem betreffenden Gelehrten so, daß dann diese einzelnen Dinge nach der Anthroposophie hintendierten. Es fiel ihm gar nicht ein, sich dafür zu interessieren. Dagegen war er interessiert - und er war darin auch sehr bewandert - an allen Darstellungen, die aus der Theosophischen Gesellschaft kamen, über Ätherleib, Astralleib und so weiter. Um Gottes Willen, dachte er sich, ich muß Botanik vortragen und im Botanischen Kabinett meinen Universitätsstudenten die Pflanzen auseinandersetzen; ja, wenn mir da Anthroposophie hineinspielt, das wird eine fatale Geschichte. Das geht da nicht, das muß reinlich davor geschützt werden; da muß ich ein anständiger Professor sein, der sich nicht so wesentlich von den anderen unterscheidet. — Daher interessierte ihn das gar nicht, wie ich etwa auf die Pflanzen zu sprechen kommen konnte vom anthroposophischen Standpunkte aus, obwohl er ja Botaniker ist. Ja, man mußte ganz abgesondert vom Ätherleib und vom Astralleib und nach seiner Ansicht am liebsten von Kama-Manas und Budhi-Manas und so weiter sprechen, und von Rassen und Runden konnte man schon mit ihm reden, denn dahin langt’s nicht mit der sogenannten empirischen Forschung.

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