{"corpus":"steiner","locus":"GA 214/1922-08-05/p007","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun, aber gerade dieses Verhältnis zu dem in uns, was eigentlich auch zwischen Geburt und Tod geistigere Vorgänge sind, hat sich für die Menschen im Laufe des Erdenlebens ganz wesentlich geändert. Wenn wir den Menschen betrachten, so besteht er ja aus dem physischen und dem ätherischen Leibe. Aber das wäre von dem Menschen nur das, was in der Nacht, wenn er schläft, im Bette liegt. Bei Tag, da ist hineingesenkt in diesen physischen und ätherischen Leib noch der astralische Leib und das Ich. Das Ich derjenigen Menschen, die vor dem Mysterium von Golgatha gelebt haben - und wir waren ja selbst in früheren Inkarnationen diese Menschen -, dämmerte gegen das Mysterium von Golgatha hin ab. Da wachten die Menschen in einer anderen Weise auf, als diejenigen nach dem Mysterium von Golgatha. Der astralische Leib geht immer ganz in den Ätherleib hinein. Aber das Ich ging früher auch sehr weit in den Ätherleib hinein. Heute ist das nicht mehr der Fall. Heute geht das Ich nur in den Kopfteil des Ätherleibs hinein. So daß das Ich bei dem alten Menschen ganz untertauchte und daher auch in die unteren Partien des Ätherleibes kam. Heute geht es nicht dahinunter, sondern nur in den Kopf. Dadurch können wir intellektualistisch denken. In dem Augenblick, wo wir tiefer untertauchen würden, würden wir innerlich instinktive Bilder bekommen. Und das Ich ist eigentlich noch stark außerhalb des physischen Leibes bei dem Menschen der Gegenwart. So daß gerade sein intellektualistisches Wesen darauf beruht, daß er nun nicht mehr mit seinem Ich in seinen ganzen Ätherleib untertaucht. Würde das geschehen, so würde er instinktives Hellsehen haben. Da er aber nicht mehr in seinen ganzen Ätherleib untertaucht, sondern nur in den des Kopfes, so bekommt er nicht dieses instinktive Hellsehen, sondern ein klar bewußtes Sehen, ein klar bewußtes Wahrnehmen der Außenwelt, aber nur ein Kopfwahrnehmen der Außenwelt, so wie eben unser Wahrnehmen ist. Der alte Mensch hat mit seinem ganzen Menschen noch gesehen. Der neuere Mensch sieht nur mit dem Kopfe. Und der Kopf ist eben das am allermeisten physisch Geartete zwischen Geburt und Tod. Daher wird dem Menschen des intellektualistischen Zeitalters nur das gegeben, was er durch seinen physischen Kopf und dasjenige noch, was er durch den Ätherleib des Kopfes wahrnimmt: die Gedanken, die er sich machen kann. Schon der Vorgang des Erinnerns, der allerdings dann da unten vorgeht, entzieht sich dem Bewußtsein. Den deutet der moderne Mensch ganz falsch, wie ich ausgeführt habe. Dadurch sah der alte Mensch um sich herum nicht bloß die physische Außenwelt, sondern hinter ihr das geistige Wesen. Die physische Außenwelt wurde ihm gar nicht besonders klar, die hatte für ihn viel mehr Verschwommenes als für den neueren Menschen. Aber dafür sah er überall hinter den Dingen, die da sich in der physischen Welt ausbreiteten, göttlich-geistige Wesenheiten niederer Art, aber auch solche höherer Art. Es ist eine kindlich naive Vorstellung, wenn man glaubt, daß, wenn die alten Menschen ihre Götter in der Natur beschrieben haben, sie da etwas erdichtet hätten. Sie haben nichts erdichtet. Es wäre gerade so naiv, als wenn wir von irgend jemandem hören, er hat das und das im Wachen gesehen, und wir würden sagen: Das hat er bloß erdichtet. — Die Alten haben die Dinge nicht bloß erdichtet, sondern sie haben sie gesehen, verwoben in die sinnlichen Anschauungen, die deshalb auch viel undeutlicher waren, weil sie gewissermaßen auf dem Hintergrunde des Göttlich-Geistigen, das sich abspielte, gesehen wurden. Es war also ein ganz anderes Weltbild, das der alte Mensch hatte. Er tauchte eben beim Aufwachen tiefer in seinen Ätherleib ein und hatte dadurch ein anderes Weltbild. Er war in sich drinnen, und dadurch zeigten sich ihm die göttlich-geistigen Wesenheiten in ihren Schicksalen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1922-08-05","location":null,"word_count":610,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/214/1922-08-05/p007","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/214/1922-08-05/p007"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/214/1922-08-05/p007","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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