{"corpus":"steiner","locus":"GA 214/1922-08-05/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Der Mensch sah hinein in die Götterwelten, die seiner eigenen Welt vorangegangen waren. Die Götter zeigten dem Menschen ihr Schicksal, und er konnte, indem er in die Götterwelten hineinsah, die Schicksale der Götter wahrnehmen. Er konnte sagen: Ich weiß, woher ich komme, ich weiß, mit welcher Welt ich zusammenhänge. Das war deshalb, weil der Mensch den Ausgangspunkt seiner Perspektive in sich haben konnte. Er machte seinen Ätherleib zu einem Organ, um diese Götterwelt wahrnehmen zu können. Das kann der moderne Mensch nicht. Der kann seine Perspektive nur vom Kopf aus nehmen, und der ist außerhalb des geistigsten Teiles des Ätherleibes. Der Ätherleib des Kopfes ist etwas Chaotisches, ist nicht so durchorganisiert, wie es der Ätherleib des übrigen Organismus ist. Daher sieht der Mensch eben die physische Welt jetzt genauer als früher, aber er sieht nicht mehr die Götter dahinter. Aber dafür ist er im gegenwärtigen Zeitalter in einer gewissen Vorbereitung. Er ist auf dem Wege, ganz aus sich herauszugehen und seine Perspektive außerhalb zu nehmen. Das ist etwas, was dem Menschen beschert ist in der Zukunft. Jetzt ist er ja schon auf dem Wege dazu, denn wenn man sonst in nichts drinnen ist als in seinem Kopfe, so ist man eigentlich nur mehr mit den abstraktesten Gedanken in der Welt drinnen. Man ist in nichts Rechtem mehr drinnen, möchte man sagen; es ist das etwas extrem gesprochen, wenn man sagt: Man ist in nichts drinnen als in einem Menschenkopf. - Denn ein Menschenkopf gibt einem nur Bewußtsein von dem physisch-irdischen Dasein. In demselben Maße aber, in dem der Mensch herauswächst aus seinem Kopfe, wird er wiederum Kenntnis erlangen, jetzt aber von dem Menschen selber. Als der Mensch noch in sich war, hatte er von dem Schicksale der Götter Kenntnis erhalten. Indem der Mensch aus sich herausrückt, kann er von seinem eigenen Weltenschicksal Kenntnis erhalten. Er kann in sich hineinblicken. Und wenn sich die Menschen nur jetzt schon recht anstrengen würden, so würde der Kopf sie gar nicht so stark hindern, als man gewöhnlich glaubt, an diesem Hineinschauen in das eigene Menschenschicksal, in das Weltenschicksal des Menschen. Das Hindernis ist nur, daß sich die Menschen so darauf versteifen, in gar nichts anderem leben zu wollen als in ihrem Kopfe; und wie man sagt Kirchturmpolitik, so könnte man auch sagen Kopfmenschenkenntnis. Es ist ein nicht Hinausschauenwollen über das, was der Kopf erzeugt, wenn die Menschen sich gegenwärtig noch gar nicht dazu herbeilassen wollen, das, was nun Anthroposophie als Menschenweisheit bietet, als etwas, was man wissen kann über die Menschen, aus ihrem gesunden Menschenverstand einsehen zu wollen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1922-08-05","location":null,"word_count":424,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/214/1922-08-05/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/214/1922-08-05/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/214/1922-08-05/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}