Fünfter Vortrag

GA 214/1922-08-05/p012 ·1922-08-05 · original (original)
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Das ist der Grund, warum diejenigen, die in der Zeit, als das Mysterium von Golgatha stattgefunden hat, lebten und noch schauen konnten — warum diese den Christus leicht verstehen. Sie konnten ihn leicht verstehen, weil sie ja die Götterwelt gesehen hatten und nun wußten: Der Christus ist aus dieser Götterwelt herausgegangen auf diese Erde für sein weiteres Schicksal, das mit dem Mysterium von Golgatha beginnt. Sie haben allerdings auch schon auf das Mysterium von Golgatha undeutlich hingesehen; aber den Christus konnten sie bis zum Mysterium von Golgatha gut sehen. Sie wußten daher von dem Christus als Gott sehr viel zu sagen. Sie fingen nur an zu diskutieren, was mit diesem Gotte geworden war, als er durch die Johannistaufe im Jordan in einen Menschen untergetaucht ist. Daher haben wir in den ersten Zeiten des Christentums eine sehr ausgeprägte Christologie und keine Jesulogie. Und weil überhaupt die Götterwelt aufhörte, ein Bekanntes zu sein, verwandelte sich zunächst die Christologie in eine bloße Jesulogie. Und die Jesulogie wurde immer stärker bis ins 19. Jahrhundert herauf, wo der Christus gar nicht einmal mehr mit dem Verstande begriffen wurde, sondern wo sich die moderne Theologie sehr viel darauf zugute tat, den Jesus möglichst menschlich zu verstehen und den Christus fahren zu lassen.

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