{"corpus":"steiner","locus":"GA 214/1922-08-05/p018","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und nun gehen Sie zu unserem früheren Bilde zurück, das ich angelehnt habe an die menschliche Erinnerungsfähigkeit. Da können wir sagen: Ja, wir leben fort als Menschenwesen in der geistigen Welt, erheben uns über die geistige Welt, indem wir mit unserem Kopf herausgucken in die physische Welt. Wir tauchen aber nicht ganz heraus, sondern nur mit unserem Kopf. Wir bleiben so in der geistigen Welt, daß selbst unsere Erinnerungen immer in ihr spielen. Unsere Erinnerungswelt bleibt unten im Meere der geistigen Welt. — Sehen Sie, solange wir zwischen Geburt und Tod stehen und nicht mächtig genug sind in unserem Ich, um all das zu sehen, was da unten selbst mit unseren Erinnerungen vor sich geht, so lange merken wir nichts davon, wie es eigentlich mit uns in der neueren Zeit als Menschheit steht. Wenn wir aber sterben, dann wird es mit dieser geistigen Welt, aus der wir uns wie ein luftschnappender Fisch heraus erheben im physischen Dasein, sehr ernst. Und da blicken wir nicht so zurück, daß wir glauben, wesenlose Erinnerungsbilder zu sehen, indem wir uns dem Irrtum hingeben, daß die Zeitperspektive auch die Realität tötet. Der Mensch gibt sich der Erinnerung für die Zeit so hin, wie einer, der das, was er in der Entfernung sieht, weil eine Raumperspektive da ist, nicht für Realität hält, sondern bloß für Bilder; der also sagen würde: Ja, wenn ich weit fortgehe, so ist das Schloß dort ja so klein, so furchtbar klein, daß es doch keine Realität haben kann, denn in einem so kleinen Schloß können doch nicht Menschen drinnen wohnen, also kann es auch keine Realität haben. — So ungefähr ist auch hier die Schlußfolgerung. Wenn der Mensch zurückblickt in der Zeit, da hält er die Erinnerungsbilder nicht für Realitäten, weil er die Zeitperspektive nicht berücksichtigt. Das aber hört auf, wenn alle Perspektive aufhört, wenn wir aus Raum und Zeit heraußen sind. Wenn wir gestorben sind, dann hört das auf. Da tritt das, was in der Zeitperspektive lebt, sehr stark als Realität auf.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1922-08-05","location":null,"word_count":332,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/214/1922-08-05/p018","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/214/1922-08-05/p018"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/214/1922-08-05/p018","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}