{"corpus":"steiner","locus":"GA 214/1922-08-06/p067","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das ist deutlich gesprochen! Aber auch so deutlich, daß man erkennt, wer es gesprochen hat: daß es doch nun schließlich ein «Tintenkleckser und Bücherwurm» geschrieben hat, der sich nur aufspielt zu Händen anderer. Und ein «Tintenkleckser und Bücherwurm» muß es schon sein, der da schreibt: «Es gibt geborene Schicksalsmenschen und Kausalitätsmenschen. Der eigentlich lebendige Mensch, der Bauer und Krieger, der Staatsmann, Heerführer, Weltmann, Kaufmann, jeder, der reich werden, befehlen, herrschen, kämpfen, wagen will, der Organisator und Unternehmer, der Abenteurer, Fechter und Spieler, ist durch eine ganze Welt von dem «geistigen» Menschen getrennt, dem Heiligen, Priester, Gelehrten, Idealisten und Ideologen.» Als ob es niemals Beichtstühle gegeben hätte und Beichtväter gegeben hätte! Ja, es gibt sogar noch andere Wesen, bei denen alle diese Sorten von Menschen sich die Gedanken holen. Man hat sogar schon in der Gesellschaft von all solchen Leute, die da angeführt werden, Staatsmänner, Heerführer, Weltmänner, Kaufleute, Fechter, Spieler und so weiter sogar schon Wahrsagerinnen und Kartenschlägerinnen gefunden! So daß also durchaus die Welt, durch die der Staatsmann, der Politiker und so weiter getrennt sein soll von dem «geistigen» Menschen, eine so ungeheure Weite nicht hat in der Wirklichkeit. Derjenige, der das Leben betrachten kann, der wird eben finden, daß so etwas hingeschrieben wird mit Ausschluß jeder Lebensbetrachtung. Und Oswald Spengler, der ein geistreicher Mann und eine bedeutende Persönlichkeit ist, macht es gründlich. Nachdem er gesagt hat, daß im Reich des wirklichen Geschehens ein Hieb mehr wert ist als ein logischer Schluß, da fährt er fort also: «Hier ist ein guter Hieb mehr wert als ein guter Schluß und es liegt Sinn in der Verachtung, mit welcher der Soldat und Staatsmann zu allen Zeiten auf die Tintenkleckser und Bücherwürmer herabgesehen hat, die der Meinung waren, daß die Weltgeschichte um des Geistes, der Wissenschaft oder gar der Kunst willen da sei. Sprechen wir es unzweideutig aus: das vom Empfinden freigewordene Verstehen ist nur eine Seite des Lebens und nicht die entscheidende. In einer Geschichte des abendländischen Denkens darf der Name Napoleon fehlen, in der wirklichen Geschichte aber ist Archimedes mit all seinen wissenschaftlichen Entdeckungen vielleicht weniger wirksam gewesen als jener Soldat, der ihn bei der Erstürmung von Syrakus erschlug.»","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Sechster Vortrag","site_heading":null,"date":"1922-08-06","location":null,"word_count":358,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/214/1922-08-06/p067","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/214/1922-08-06/p067"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/214/1922-08-06/p067","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}