Sechster Vortrag
Einer, der vom geistigen Gesichtspunkte aus über das Blut redet, wissenschaftlich redet, der wird zunächst die Frage stellen, wie das Blut entsteht, wie das Blut mit der Nahrung zusammenhängt, die der Mensch aufnimmt. In den Gedärmen ist das Blut noch nicht vorhanden; das Blut wird erst im Menschen selber geschaffen. Das Herunterrinnen des Blutes durch die Geschlechter — nun, wenn irgendeine schlechte mystische Vorstellung gebildet werden kann, so ist es diese. Alles dasjenige, was jemals nebulose Mystiker, wenigstens einigermaßen, wenn auch verschwimmend, deutlich von innerem Seelenleben gesagt haben, ist nicht so schlechte Mystik gewesen als diese Spenglersche Mystik des Blutes. Es wird auf etwas hingewiesen, wo überhaupt jede Möglichkeit aufhört, nicht nur in dem Sinne, daß man nicht darüber denken kann — das würde ja bei Oswald Spengler nichts machen, weil man ja eigentlich nicht zu denken braucht, es ist ja eigentlich nur Lebensluxus -, das würde also nichts machen; aber man sollte, wenn man noch ein vernünftiger Mensch oder selbst nur ein vernünftiges höheres Tier sein will, aufhören zu reden von so etwas, woran man so wenig heran kann wie an das Blur.
Cite:
GA 214/1922-08-06/p070 · edition original