Seelenübungen des Denkens, Fühlens und Wollens

GA 215/1922-09-07/p030 ·1922-09-07 · original (original)
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Zweierlei können wir in diesem Denken erleben. Einmal kann dasjenige, was wir in diesem abstrakten Denken als Schein-Erleben haben und was nicht selbst darauf Anspruch macht, etwas auszudrücken, Abbild der objektiven Natur werden. Dadurch erst hat der Mensch das errungen, worauf er heute so stolz ist: eine objektive Naturwissenschaft. Die Naturvorgänge draußen könnten von einem eigenen, mit Eigensubstanz erfüllten Denken nicht in einer objektiven Darstellung gegeben werden. Wir können solche Beschreibungen, wie sie in alten Zeiten von den Naturvorgängen gegeben sind, nicht als objektive Naturwissenschaft anerkennen. Gerade indem das Denken nur ein Scheinleben hat, bildet sich im Scheinleben die äußere Welt ab. In einem Denken, das nicht eine eigene Substanz hat, erscheint bildhaft die Substanz der äußeren Naturvorgänge. So verdankt die Menschheit in ihrem Fortschritt dem Umstande, daß sie sich ihr Vollbewußtsein in einem denkerischen Schein-Erleben errungen hat, die objektive Naturwissenschaft. Es wurde der Zeitraum, in welchem das abstrakte Denken heraufkam, auch die Zeit, in der die objektive Naturwissenschaft errungen worden ist.

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Cite: GA 215/1922-09-07/p030 · edition original