Erkenntnis- und Willensübungen

GA 215/1922-09-09/p006 ·1922-09-09 · original (original)
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Also wohlgemerkt: Es ist möglich, die Übungen für das Fortschaffen eines Seeleninhaltes und für die Herstellung eines leeren Bewußtseins so weit fortzuführen, daß die Seele so stark wird, auch von dem eigenen Lebenslauf zu abstrahieren. Und in diesem Moment, wo man dazu stark genug ist, lebt man in einem Bewußtsein, das nicht mehr vor sich hat den physischen Organismus, nicht mehr vor sich hat den ätherischen Organismus, damit aber auch alles dasjenige nicht mehr vor sich hat von der Welt, was durch den physischen und durch den ätherischen Organismus aufgenommen wird. Für dieses Bewußtsein ist nicht vorhanden die Sinneswelt mit allen ihren Sinneseindrücken, für dieses Bewußtsein ist aber auch nicht vorhanden die Summe alles ätherischen Geschehens im Kosmos, zu dem man sich ja erst durch das imaginative Erkennen aufgeschwungen hat. Man hat also alles das weggeschafft. Dadurch ist ein höherer Grad der Inspiration innerhalb der Menschenseele herbeigeführt. Was dann durch diesen höheren Grad der Inspiration auftritt, das ist der Zustand der Seele, in welchem sie war in einer geistig-seelischen Welt, bevor sie durch die Empfängnis, durch das embryonale Leben, durch die Geburt herabgestiegen ist in einen menschlichen physischen Organismus. Man gelangt also auf diese Weise zu einer Anschauung des vorirdischen Daseins der Menschenseele. Man schaut hinein in diejenigen Welten, in denen die Seele war, bevor sie hier auf der Erde, ich möchte sagen, das erste Atom eines Physischen mit der Empfängnis überliefert erhalten hat. Man schaut zurück in die Entwikkelung dieser Menschenseele in der geistig-seelischen Welt, man lernt das präexistente Leben dieser Menschenseele kennen. Damit erst hat man die eine Seite der Ewigkeit des menschlichen Seelenkernes ergriffen. Und wenn man das ergriffen hat, dann hat man im Grunde genommen erst die wahre Natur der menschlichen Ich-Wesenheit, des Geistesmenschen, erkannt. Der ist also erst jener Inspiration zugänglich, die auch abstrahieren kann nicht nur von dem eigenen physischen Leib und seinen Eindrücken, sondern auch von dem eigenen Ätherleib als Lebenslauf und seinen Eindrücken.

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Cite: GA 215/1922-09-09/p006 · edition original