Erkenntnis- und Willensübungen
Auf einer anderen Stufe, in einer ähnlichen Weise enthüllt sich für die inspirierte Erkenntnis die Wesenheit desjenigen Denkens oder Vorstellens, das wir im gewöhnlichen Bewußtsein haben. Dieses ist nämlich eigentlich ein Leichnam, wenigstens etwas, das fortwährend im Erdenleben in das Leichnamhafte des Seelischen übergeht. Das lebendige Denken war vorhanden, als der Mensch noch nicht sein Erdendasein hatte, sondern in der geistig-seelischen Welt ein geistig-seelisches Wesen war. Da war dieses Denken und Vorstellen etwas ganz anderes; da war es ein Lebendiges im Geistesgeschehen. Und was wir als unsere Denkkraft im gewöhnlichen Bewußtsein haben, das ist ein Übriggebliebenes von jenem Geistig-Lebendigen, das wir waren, bevor wir auf die Erde herabstiegen. Das ist übriggeblieben, so wie der Leichnam von dem lebendigen physischen Menschen übrigbleibt. Wie der Anschauung am Leichnam sich enthüllt, daß der Leichnam zurückführt auf den lebendigen Menschen, so stellt sich dem, der durch die inspirierte Erkenntnis jetzt auf das ersterbende, beziehungsweise schon tote Denken oder Vorstellen der Seele sieht, ihm stellt sich dar, wie er dieses Denken als den Leichnam des eigentlichen «Denkwesens» behandeln muß, wie er dieses irdische Denken zurückführen muß auf ein übersinnliches, lebensvolles Denken.
Cite:
GA 215/1922-09-09/p009 · edition original