Erkenntnis- und Willensübungen

GA 215/1922-09-09/p010 ·1922-09-09 · original (original)
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Das ist es, was uns auch qualitativ das Verhältnis eines Teiles unseres Seelenlebens zu unserem vorgeburtlichen, rein geistig-seelischen Dasein enthüllt. Wir lernen einfach auf diese Weise wirklich erkennen, was das gewöhnliche Vorstellen und Denken bedeutet, wenn wir es zurückbeziehen auf seine lebendige Wesenheit, die nicht innerhalb des Erdendaseins zu finden ist, die im Erdendasein eben nur einen Abglanz hat. Und dieser Abglanz ist das gewöhnliche Denken oder Vorstellen. Daher steht dieses gewöhnliche Denken oder Vorstellen mit seiner Abstraktheit im Grunde genommen der wahren Wirklichkeit fern, wie der Leichnam des Menschen der wahren menschlichen Wirklichkeit fernsteht. Wenn wir von der Abstraktheit, von der bloßen Intellektualität des Denkens sprechen, dann ist es eben so, daß wir dunkel fühlen: So wie uns dieses Denken im gewöhnlichen Bewußtsein entgegentritt, ist es nicht das, was es sein sollte; es ist aus etwas geworden, in dem eigentlich seine wahre Natur liegt. - Das ist das außerordentlich Wichtige, daß eine wahre Erkenntnis nicht bloß in allgemeinen Redensarten, sondern in konkreten Bildern dasjenige, was der Mensch hier im physischen Leibe erlebt, zu beziehen versteht auf seinen ewigen Wesenskern, so wie es jetzt mit dem Denken, mit dem Vorstellen des gewöhnlichen Bewußtseins geschehen ist. Dann gewinnt eigentlich erst die Anschauung über die Bedeutung der Imagination und Inspiration das rechte Licht, denn dann weiß man, daß das tote oder ersterbende Denken im Grunde genommen durch jene Übungen, die man macht, um die Inspiration herbeizuführen, wiederum belebt wird, belebt wird innerhalb des physischen Erdendaseins. Inspirierte Erkenntnis erwerben ist also im Grunde genommen Belebung des ersterbenden Denkens. Dadurch wird man nicht etwa vollständig zurückversetzt in das vorgeburtliche Dasein, aber man bekommt durch die seelische Anschauung ein wirkliches Bild dieses vorgeburtlichen Daseins, von dem man weiß, daß es nicht hier auf der Erde entstanden ist, sondern daß es hereinleuchtet aus einem vorirdischen menschlichen Dasein in dieses Menschendasein. Man erkennt es an dem Bilde, daß es das Erkenntniszeugnis ist für den Zustand der menschlichen Seele im vorirdischen Dasein.

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