Erkenntnis- und Willensübungen

GA 215/1922-09-09/p018 ·1922-09-09 · original (original)
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Was müßte also eine Philosophie tun, die innerhalb des gewöhnlichen Bewußtseins stehenbleiben will? Sie müßte sagen: Wenn ich mich nicht zu irgendeiner übersinnlichen Erkenntnis aufschwingen will, müßte ich wenigstens analysieren, was im gewöhnlichen Bewußtsein vorliegt. — Und wenn sie es unbefangen macht, findet sie, daß das Denken und Vorstellen des gewöhnlichen Bewußtseins etwas Leichnamhaftes hat. Sie müßte also sagen: Weil das etwas ist, was seine Wesenheit nicht aus sich selbst erklärt, darf ich darauf schließen, daß die wirkliche Wesenheit der Sache vorangeht. — Dazu gehört aber allerdings jene Unbefangenheit in der Analyse der Seele, die erkennt, daß das Denken und Vorstellen etwas Leichnamhaftes hat. Aber diese Unbefangenheit ist möglich. Denn nur Befangenheit erkennt im Denken, wie es dem gewöhnlichen Bewußtsein gegeben ist, etwas Lebendiges. Unbefangenheit enthüllt dieses Denken als etwas, was für sich selber abgestorben ist. Deshalb sagte ich auch im vorigen Vortrage: Es ist ganz gut möglich, in das erstorbene Denken den Inhalt der Naturwissenschaft hereinzunehmen. — Das auf der einen Seite.

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Cite: GA 215/1922-09-09/p018 · edition original