Erkenntnis- und Willensübungen
So kann man sagen: Gerade die Kosmologie lehrt, noch mehr als die gewöhnliche Philosophie, wie man wiederum zur Imagination, Inspiration und Intuition seine Zuflucht nehmen muß. Die Philosophie kann wenigstens die Menschenseele beobachten und sie findet bei unbefangener Beobachtung des Denkens, das als Ersterbendes auf etwas anderes hinweist, daß außerhalb des ganzen Menschendaseins etwas liegt, was den Menschen innerlich umfaßt; und ebenso kann sie über den Tod hinausweisen. Also kann die Philosophie wenigstens aus Schlüssen, die aus dem reichen Seelenleben des Denkens, Fühlens und Wollens gezogen sind, ihre Abstraktionen reich und mannigfaltig machen. Das ist noch möglich. Die Kosmologie als geistige Wissenschaft kann nur begründet werden, wenn man ihr einen Inhalt auch aus der geistigen Anschauung heraus gibt. Da kann man nicht einmal mehr auf einen Inhalt schließen. Will man einen Inhalt haben, muß man ihn aus den alten hellseherischen Anschauungen entlehnen, wie man ihn in den traditionell übernommenen Ideen hatte, oder man muß auf eine neue Art, wie es dargestellt worden ist, wiederum dazu kommen.
Cite:
GA 215/1922-09-09/p026 · edition original