{"corpus":"steiner","locus":"GA 215/1922-09-12/p019","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Hatte man in den ersten christlichen Jahrhunderten aus den Resten der alten Initiationsweisheit heraus, wenn vom Mysterium von Golgatha gesprochen wurde, den Weg zu beschreiben gesucht, den man fand von der Anschauung der Christus-Wesenheit angefangen bis zu der Verkörperung dieser Christus-Wesenheit in dem Jesus von Nazareth, ging man für das Verständnis des Mysteriums von Golgatha in diesen ersten christlichen Jahrhunderten von dem Christus aus, um zu dem Jesus zu kommen, so ging man jetzt von dem Jesus aus, den man zunächst als Menschen anschaute, und wollte dann von dem Jesus aus zu dem Christus kommen. Das aber nahm naturgemäß den Weg, daß man zuletzt sich nur seine Ohnmacht entweder gestand oder auch nicht gestand, von dem historischen, für das gewöhnliche Bewußtsein vorhandenen Jesus-Wesen, von dem «schlichten» Jesus-Wesen in Palästina aufzusteigen zu dem Christus. So hat die Theologie eines Teiles der Menschheit den Christus über dem Jesus verloren. Dies kann erst anders werden durch die moderne Initiation, durch jene Initiation, die ich in diesen Tagen in ihren Hauptzügen charakterisiert habe, die zur Imagination, Inspiration und Intuition in einer neuen Form führen kann. Durch diese neue Initiationsweisheit ist es wiederum möglich, über das bloße historische Jesusbild hinaus zu einem unmittelbaren Anschauen des vorirdischen Menschendaseins und der Welt, in der dieses vorirdische Menschendasein verläuft, zu kommen, und damit auch den Christus in seiner außerirdischen Geistwesenheit anzuschauen, also wiederum von dem Christus aus den Jesus und damit das Mysterium von Golgatha zu verstehen. Damit kann der Weg, zu dem die moderne Theologie geführt hat und der über dem Jesus den Christus verloren hat, wiederum umgelenkt werden. Man kann wiederum aus der geistigen Anschauung heraus den Christus erkennen und durch die Erkenntnis des Christus den Jesus, in welchem der Christus Mensch geworden war, anschauen und hinschauen mit der im Geiste gewonnenen Christus-Erkenntnis auf das Mysterium von Golgatha. Durch anthroposophische Anschauung muß der Christus, der für einen Zweig der modernen Theologie schon verlorengegangen ist, wiederum gewonnen werden. Was das für die innere Entwickelung des Menschen zu bedeuten hat, will ich in dem vierten Teile dieser heutigen Betrachtung berichten.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Christus in seinem Zusammenhang mit der Menschheit","site_heading":null,"date":"1922-09-12","location":null,"word_count":342,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/215/1922-09-12/p019","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/215/1922-09-12/p019"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/215/1922-09-12/p019","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}