Das Erleben des Willensteils der Seele
Nun ist es so: Wenn wir die umliegende physische Welt in ihren verschiedenen Naturreichen, im Mineralreich, Pflanzenreich, zum Teil auch im tierischen Naturreich durchschauen, so finden wir alles durchsetzt von verborgenem Geistig-Seelischem. Wir finden zum Beispiel in irgendeiner Pflanze Aufbaukräfte, die, wenn sie in einer gewissen Weise bereitet und in den menschlichen Organismus eingeführt werden, solchen zerstörenden Prozessen, die krankhaft abnorme sind, entgegenarbeiten. Kurz, man findet für abnorme Abbau- oder abnorme Aufbauprozesse in der Natur draußen Heilmittel, und den Zusammenhang zwischen dem Heilmittel und der Krankheit kann man eben nur dadurch durchschauen, daß man in der eben charakterisierten Weise in den menschlichen Organismus hineinsieht. Durch alles das, was mit einem in einer gewissen Weise erkrankten Organismus vorgenommen werden kann, sei es, daß man ihm äußere Heilmittel zuführt, sei es, daß man ihn so behandelt, wie man ihn sonst als gesunden Organismus nicht behandelt oder wie er sich selbst nicht behandelt, sei es also, daß man in dieser Weise richtig angewandte Maßnahmen trifft oder dasjenige macht, was wir als Heileurythmie ausgeführt haben — immer wirkt man durch solche Anwendung so, daß man versucht, wuchernde Aufbauprozesse oder über das Normalmaß hinausgehende Zerstörungsprozesse wieder im Organismus ins Gleichgewicht zu bringen.
Cite:
GA 215/1922-09-15/p019 · edition original