Sechster Vortrag

GA 217/1922-10-08/p020 ·1922-10-08 · original (original)
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Nach dem äußeren Verkehr, dem sozialen Leben hin gesehen stellt sich die Sache so dar: Da kommen heute Leute, in denen rumort etwas jetzt allerdings nicht mehr durch eine fortlaufende Entwickelung der Menschheit, sondern durch allerlei äußerlich aufgenommene Meinungen — und die sagen: Ja, wenn man die Sittlichkeit auf die Individualität des Menschen begründen will, zerstört man das soziale Leben. Eine solche Behauptung hat aber gar keinen Inhalt; sie ist etwa ebenso gescheit, als wenn einer sagen wollte: Wenn es in Stuttgart im Laufe von drei Monaten so und so oft regnet, so zerstört die Natur diese oder jene Dinge auf dem Felde.- Man kann nichts Inhaltloseres sagen, wenn man sich einer gewissen Erkenntnisverantwortlichkeit bewußt ist. In Anbetracht der Tatsache, daß die Menschheit sich nach der Richtung des Individualismus hin entwickelt, hat es gar keinen Sinn zu sagen, mit dem ethischen Individualismus zerstöre man die Gesellschaft. Es handelt sich vielmehr darum, jene Kräfte aufzusuchen, mit denen die weitere Entwickelung der Menschheit vor sich gehen kann, weil dies notwendig ist für die Entwickelung des Menschen im Sinne des ethischen Individualismus, unter dem die Gesellschaft zusammengehalten und erst recht belebt werden kann.

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Cite: GA 217/1922-10-08/p020 · edition original