Sechster Vortrag

GA 217/1922-10-08/p029 ·1922-10-08 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Wir brauchen wieder das Göttliche, durch das der Mensch aus dem vorirdischen Dasein hineingeführt worden ist in die Gegenwart, wie er im irdischen Dasein durch seine irdische Leiblichkeit weitergeführt wird. Indem wir in der Sphäre des Sittlichen sprechen von Menschenvertrauen, müssen wir es, sobald wir von demjenigen Sittlichen sprechen, das Erziehung und Unterricht darstellen, spezialisieren und sagen: dem Kinde, das uns die göttlich-geistigen Kräfte heruntergeschickt haben, dem wir als diejenigen gegenüberstehen, die die Rätsellöser sein sollen, stehen wir gegenüber mit Gottvertrauen. Ja, dem Kinde gegenüber verwandelt sich das Menschenvertrauen sogar in Gottvertrauen. Und in der zukünftigen Entwickelung der Menschheit wird dasjenige, was, ich möchte sagen, auf eine mehr neutralisierte Art von Mensch zu Mensch wirkt, von selbst eine religiöse Nuance annehmen, wenn es sich auf das Kind oder überhaupt auf die jüngeren Menschen bezieht, die erst noch in ihrer Entwickelung in die Welt hereingeleitet werden sollen. Da sehen wir, wie unmittelbar im irdischen Dasein die Sittlichkeit zurückverwandelt wird in eine Religiosität, die sich im gewöhnlichen Leben auslebt. Wir können mit Recht davon sprechen, daß in alten Zeiten alles sittliche Leben nur ein Spezialfall des religiösen Lebens ist, da eigentlich in den religiösen Geboten zu gleicher Zeit die sittlichen Gebote mit gegeben waren.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/217/1922-10-08/p029.json
Cite: GA 217/1922-10-08/p029 · edition original