Ansprache während der Breslau-Koberwitzer Tagung in Koberwitz am 17. Juni 1924
Die Jugendbewegung von heute sucht wieder die Natur. Auch die anthroposophische Jugend sucht die Natur, aber sie sucht den Geist in der Natur. Als eine Art Appell an den Geist lebt dieses Suchen in den Herzen dieser Jugendbewegung. Aber es war gegenüber diesem Appell an den Geist in der Natur wenig Entgegenkommen in der aus den früheren Jahrhunderten stammenden Zivilisation. Denn die Menschheit hat nach und nach seit dem 15. Jahrhundert den Geist aus ihrem besonderen Weltenkarma heraus verlieren müssen. Nun ist dies so, daß man der Natur gegenüber am leichtesten den Geist verlieren kann, wenn man auf dem Wege ist, den Geist überhaupt zu verlieren. Denn bedenken Sie: der Natur ist beigegeben als die Grundbedingung ihres Werdens das Tote. Sie dürfen ja nicht vergessen, daß das Lebendige zu seinem Bestehen immer das Tote braucht. Denken Sie nur einmal, daß ja in allem Lebendigen eingelagert sein muß als Knochengerüst oder anderes Gerüst dasjenige, was aus dem Weltenall als das Tote aufgenommen wurde. Wir tragen daher den Tod unser ganzes irdisches Leben lang dadurch in uns, daß wir Unlebendiges, Totes haben müssen. Wir müssen Totes haben. In uralten Zeiten wußte man, daß dieses Tote gerade dasjenige ist, durch das sich das Lebendige die Offenbarungen des Geistigen erwirbt. Und noch aus lateinischen Zeiten klingt es heraus als ein Spruch wie dieser:
Cite:
GA 217a/1924-06-17/p003 · edition original