Ansprache während der Breslau-Koberwitzer Tagung in Koberwitz am 17. Juni 1924

GA 217a/1924-06-17/p010 ·1924-06-17 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Goethe selbst rief hinein in einer fast greisenhaft bedächtigen Weise, daß es uns unheimlich ist: «Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen... Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf...» — Goethe wollte sich nicht zum Bewußtsein kommen lassen dasjenige, was da als Ruf nach der Natur bei den Rousseauisten und andern zum Vorschein kam. Und wenn man sich in den Goethe von damals hineinfühlt, dann bekommt man heute noch aus der Art und Weise, wie er gegenüber der Natur empfindet, und wie er an die Appelle der anderen herankam, etwas wie eine leise Gänsehaut, die über die Oberfläche des Menschen zieht, und man fühlt das Schauern, das er gerade bei diesem Rufe nach der Natur empfand. Dieser Ruf erschien Goethe als etwas Unnatürliches selber, und er wollte in den Kreislauf des Tanzes der Natur, ohne daß es von ihm erbeten ist, aufgenommen sein, und er empfand, die Natur bittet nicht, die Natur warnt auch nicht.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/217a/1924-06-17/p010.json
Cite: GA 217a/1924-06-17/p010 · edition original