{"corpus":"steiner","locus":"GA 217a/1924-06-17/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sehen Sie, unser lieber Freund Ritter sprach davon, wie er Bauernkind war und aus dem Bauerntum herausgewachsen ist. Man konnte dieses Herauswachsen aus dem Bauerntum gerade in der Zeit in seiner ganz urphänomenalen Bedeutung erleben, die sich abgespiegelt hat, als Menschen wie Sie noch nicht einmal in der Wiege lagen, geschweige denn viele andere, die hier sitzen. Da kam sie schon heran, diese Zeit, in der die Unsicherheit begann. Sehen Sie, das Leben des bäuerlichen Menschen, wie es sich abgespielt hat im Laufe der Jahrhunderte, ist ja heute im Grunde genommen nur noch eine Mythe. Denn dieses Leben ist seelisch etwas ganz anderes als dasjenige, was hinweggehoben eigentlich aus allem Sein die Naturwissenschaft oder gar die Zivilisation in sich hat. Der Bauer war wirklich geistiger als der heutige Gelehrte. Und man konnte schon empfinden so in den sechziger, siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, wie eine Art gerade im Bauerntum lebende Geistigkeit abstirbt. Man hat es oftmals sehen können, wie die Bauern davon ergriffen wurden, daß ihre Söhne studieren müßten. Es war schon eine solche bäuerliche Abstraktion, wo gegen das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts die Idee aufkam, ihre Söhne müßten studieren. Es ist das schon etwas ganz anderes, als früher das Bauerntum war, das richtig mit der Natur zusammenlebendes Bauerntum war. Gewiß, da haben auch die Söhne studiert, aber sie haben nicht in dem Sinne studiert wie später, namentlich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Sie haben nicht studiert, die Söhne, im Bewußtsein des Bauern, sondern sie sind Pfarrer geworden. Und Pfarrer werden verband sich mit dem Bewußtsein des Bauern; Pfarrer werden verband sich im Bewußtsein damit, den Weg nach dem Geiste zu suchen. Suchen nach dem Geiste war dasjenige, was der Bauer wollte, wenn er seine Söhne durch die Bildungsanstalten durchschickte. Sie wurden aber in diesen Bildungsanstalten nach und nach ganz geistesarm und geistesleer im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Da verwandelte es sich auch in dem Bewußtsein des Bauern: der Sohn müsse studieren — und dazu gesellte sich allmählich das andere: der Sohn, der wird uns fremd, der kommt in ein ganz anderes Leben hinein, den haben wir nicht mehr.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Ansprache während der Breslau-Koberwitzer Tagung in Koberwitz am 17. Juni 1924","site_heading":null,"date":"1924-06-17","location":null,"word_count":352,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/217a/1924-06-17/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/217a/1924-06-17/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/217a/1924-06-17/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"other_renderings":{"loci":[{"locus":"GA 260a/1924-06-17","ga":"260a","lecture":"1924-06-17","kind":"reprint","relation":"the same text served under another volume (a reprint or another edition)"}],"note":"The same lecture is also served at the loci listed, each with how it relates to this one. They are ONE witness, not independent attestations: quote the rendering you fetched, and do not cite another as corroborating it. Wording differs between translations, so a quotation found in one need not occur in the other."}}