Ansprache während der Breslau-Koberwitzer Tagung in Koberwitz am 17. Juni 1924

GA 217a/1924-06-17/p022 ·1924-06-17 · original (original)
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Wir müssen im Herzen verstehen lernen dasjenige, was den doch immer nur gedachten Geist, der der Natur fremd bleibt, zu dem erarbeiteten Geist macht, der nun wiederum die Wege hinaus findet in die natürliche Tatsachenwelt. Deshalb habe ich in diesem Kursus versucht, ich möchte sagen, aus dem tatsächlichen Erleben heraus die Worte zu finden. Es kann heute nicht anders der Geist gefunden werden, als wenn man auch wiederum die Möglichkeit findet, in naturgegebene Worte ihn zu kleiden; damit werden auch die Empfindungen wieder stark werden. Sehen Sie, denken Sie sich, Sie verwandeln dasjenige, was man heute schon wissen kann — denn die Michael-Zeit ist da -, was scheinbar auch nur in Ideen lebt, in wirkliche Andacht, dann sind Sie auf dem allerbesten Wege. Sie sind auf dem allerbesten Wege, wenn Sie die Dinge in Andacht verwandeln. Ja, was kann dann alles aus den Dingen werden! Meditieren heißt ja: dasjenige, was man weiß, in Andacht verwandeln, gerade die einzelnen konkreten Dinge. Wenn man natürlich solche Dinge sagt, wie ich sie vielfach jetzt gesagt habe, dann steht man ja, ich möchte sagen, in dem Lichte einer gewissen Frechdachsigkeit. Denn diejenigen, die nicht in geistiger, sondern in konventioneller Art alt geworden sind in das 20. Jahrhundert hinein, empfinden nicht das ganz tiefe Gefühl, das man bekommen kann, wenn man genötigt ist, das Gehirn des Menschen als etwas zu bezeichnen, was auf demselben Wege — nur etwas nach anderer Richtung hin - sich entwikkelt hat wie der Dung. Aber empfinden Sie dieses in den Menschen hineingehende Kraftende: daß das Gehirn ist wie ein Dunghaufen sich bildend. Und empfinden Sie auch, wie im Düngen den weltenschaffenden Kräften zurückgegeben wird dieses Dung-Stoffliche, damit der Geist es dort empfangen kann in einem viel höheren Sinn, als empfangen kann der menschliche Geist dasjenige, was ihm an Stofflichem von innen gegeben wird. Sehen Sie sich nun an diesen Menschen: er nimmt den äußeren Stoff auf, er hat ja keine Ahnung, was er mit der Pflanze, was er mit den gezüchteten Pflanzen von außen herein aufnimmt, er ist unwissend gegenüber dem, was er von außen herein aufnimmt. Und nun beginnt es in ihm durch Göttermacht zu arbeiten. Es beginnt schon zu arbeiten, wenn er auf der Zunge dasjenige, was er von außen empfängt, in Geschmack umwandelt. Da hält er noch etwas fest in der bloßen Sinnlichkeit, mit der da die Dinge umgewandelt werden. Dann entschwindet es dem Bewußtsein, und ein stark Weisheitsvolles tritt auf. Das alles im Menschen wandelt sich um und läuft darauf hinaus, daß wir den Geist fassen können, und das, was wir unbewußt so umgearbeitet haben, läuft aus in den Dunghaufen, der das Gehim ausfüllt. Lernen wir so denken, daß wir nun als Menschen wirklich genötigt sind, diesen Dung in der richtigen Weise der Welt zu übergeben, daß wir ihn nicht nun so verwenden, als ob wir kleine Maschinen für die Kinder aus zusammengepreßtem Dung machen wollten! So verwendet nämlich sein Gehirn der Mensch der Gegenwart. Er düngt nicht mit seinem Gehirn die Geistesfelder, damit der Geist auf diesen Geistesfeldern wirken kann; er macht Mechanismen aus demjenigen, was da ist. Und sehen Sie, wenn man nun weiß, wozu das Gehirn bestimmt ist: den Göttern, die zu den Menschen herabkommen, die Geistesfelder zu düngen — wenn man dann jene scheue Ehrfurcht bekommt, die aus einer solchen inneren Betrachtung der Sache hervorgeht, wenn man ahnen lernt, was da gerade im Unbewußten und Unterbewußten vor sich geht, und dann dazu übergeht, die dem Menschlichen nachgestaltete Natur in seine Erkenntnis aufzunehmen, sie nach dem, was da ist, wirklich mit dem Dung zusammen sich anzuschauen, dann sieht man, wie darinnen langsam und allmählich sich bewußt wird, was unbewußt gerade im Menschen wirkt.

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