Ansprache während der Breslau-Koberwitzer Tagung in Koberwitz am 17. Juni 1924
Deshalb muß ich Sie immer wieder auf dasjenige hinweisen, wodurch Sie sich als junge Leute so ganz besonders intensiv verbinden können. Und das ist gerade das, daß Sie sich folgendes sagen: Anthroposophie trat auf. Sie kam unter die Menschen, die sich aus dem götterlosen Denken in der Umgebung herausentwickelten. Diese Menschen standen nun vor der Anthroposophie, sie verabstrahierten auch die Anthroposophie. Und so spielte sich etwas ab, was darinnen bestand, daß Anthroposophie gut begriffen wurde, aber in einer etwas abstrakten Stimmung von den alten Leuten so um die Wende des 20. Jahrhunderts und hinein ins 20. Jahrhundert; sie begriffen eigentlich schon Anthroposophie. Und es ist eine nicht zufällige, sondern karmisch notwendige Erscheinung, daß eigentlich es wiederum in der Geschichte unserer anthroposophischen Entwickelung eine Zeit gibt, in der diejenigen Menschen zu uns kamen, die in irgendeiner Weise ihr Pensionsdekret bekommen hatten, die aus der umliegenden Welt heraus sich in die Alterspensionszeit begaben. Was, glauben Sie, mufßßte man, wenn man verantwortlich war für die Anthroposophie, immer wiederum erleben? Solange die Leute im Berufe der Zivilisation darinnen steckten, sagten sie: Ja, ich kann vielleicht der Anthroposophie mehr nutzen, wenn ich nicht Anthroposoph bin. Ich bin ihr ja ganz geneigt, aber ich kann ja nicht Anthroposoph sein. — Und sie kamen dann erst — und dann in jener merkwürdig innerlichen Weise oftmals —, wenn sie pensioniert waren. Wir haben viele gerade aus diesen Kreisen hineindringen sehen, so daß wir das schon durchlebt haben als eine gewisse Tragik.
Cite:
GA 217a/1924-06-17/p027 · edition original