Ansprache während der Breslau-Koberwitzer Tagung in Koberwitz am 17. Juni 1924

GA 217a/1924-06-17/p032 ·1924-06-17 · original (original)
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Wenn man so das. Wort «Wandervogel» hört, so kommt einem aus diesem Wort das Gefühl: weiß denn heute überhaupt ein gereister Mensch, was in alten Zeiten das Wandern war, was der Wanderer war? Zu bildhaftem Seelenerleben müssen wir wieder zurück. Weiß denn heute ein Mensch noch, wenn er der Vogelwelt gegenübersteht, daß man erst das durchmachen muß, was Siegfried durchmachen mußte, um die Sprache der Vögel zu verstehen? Wandervögel - Wotan, Siegfried: das ist dasjenige, was man erst wieder empfinden, verstehen muß. Man muß erst den Weg finden von der abstrakten Auffassung des Wandervogels zu dem in Wind und Wolken und Wellen des Erdorganismus webenden Wotan und zu der verborgenen Sprache der Vögel, die man kennenlernen muß, indem man zuerst das Siegfried-Erinnern und das Siegfried-Schwert in sich rege macht, das nur die prophetische Vorausnahme des Michael-Schwertes war. Man muß den Weg finden vom Wanderer zu Wotan, den Weg finden, wie man leichten Herzens sich öffnend wieder glauben kann an die verborgene Sprache der Vögel. Sie alle empfinden den Weg vom Wandervogel zum Wotan, zum Siegfried. Und kann man das in seiner Seele tief empfinden, so wird man auch die Möglichkeit finden, die Natur zu empfinden, und wissen um diese Dinge. Und gewinnt man dann die Möglichkeit, auch noch ein wenig träumen zu können, so wird man mit den himmlischen Träumen in der Natur leben können.

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