{"corpus":"steiner","locus":"GA 218/1922-10-14/p023","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Von dem, was ich Ihnen jetzt erzählen kann, weiß eigentlich die menschliche Wissenschaft durch die naturgemäße menschliche Wissenschaft erst durch jene Kräfte, welche der Menschheit gekommen sind im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Früher waren diese Kräfte mehr oder weniger in der Menschheit verdunkelt. Sie waren noch da, aber traumhaft aus den alten Zeiten, die ich Ihnen eben vorhin geschildert habe. In den ersten christlichen Jahrhunderten haben die Menschen nicht dasjenige gehabt, was wir heute erringen können durch Imagination, Inspiration und Intuition, aber sie haben ein natürliches, atavistisches Hellsehen gehabt, und es gab noch alte Eingeweihte zur Zeit des Mysteriums von Golgatha; die haben ihren Menschen, die zu ihnen Vertrauen gehabt haben, sagen können: Der Christus, der in derjenigen Welt war, an die ihr euch erinnert als an die Zeit eures vorirdischen Daseins, der Christus, der früher nur in außerirdischen Sphären war, der ist durch das Kreuz von Golgatha auf die Erde herabgestiegen. — Daher hat man in den ersten vier Jahrhunderten der christlichen Entwickelung auch des Abendlandes vor allen Dingen das Augenmerk auf den heruntergestiegenen Christus gerichtet. Überall finden Sie in den Schilderungen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte - die Literatur ist ja zum großen Teile vernichtet —, wie der Christus aus kosmischen Welten und aus geistigen Welten heruntergestiegen ist und im Leibe des Jesus von Nazareth Erdendasein angenommen hat. Auf dieses Heruntersteigen, auf dieses Sich-Neigen zur Erde wurde damals der größte Wert gelegt. Als aber mit dem vierten nachchristlichen Jahrhundert die alten Eingeweihten anfingen auszusterben und die neue Einweihewissenschaft noch nicht da war, die erst kommen konnte mit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, als diese alten Eingeweihten ausgestorben waren, da mußte man in die Dokumente hinein dasjenige verhärten, was früher ein unmittelbares Anschauen war. Man mußte es traditionell fortpflanzen; die Menschen mußten, um das Freiheitsbewußtsein zu erlangen, eine Zeitlang die alte Einweihewissenschaft vergessen. Daher kam es, daß, je mehr sich die Menschheit dem 19. Jahrhundert näherte, desto mehr war vergessen, wie das überirdische Christus-Wesen heruntergestiegen war in das Erdendasein und in dem Leibe des Jesus von Nazareth Erdendasein angenommen hat. Man schaute zuletzt nur hin auf das historische Ereignis, und man verlor allmählich über dem Jesus den Christus, man verlernte über den Christus als die übersinnliche Wesenheit zu sprechen. Wir müssen heute wieder beginnen, über den Christus als übersinnliche Wesenheit zu sprechen, wir müssen verstehen, was es heißt, daß der Christus die menschliche Seele am Leben erhält; denn der Leib hat sich verändert im Laufe der Menschheitsentwickelung. Warum hatten die alten Menschen ein Hellsehen? Weil der Leib weicher und die Drüsen innerhalb des Menschenleibes noch regsamer waren. Gerade die Drü 4 sentätigkeit hat sich einer Verhärtung genähert, und je mehr diese Verhärtung fortschreitet, je mehr der Menschenleib verhärtet, die Drüsentätigkeit eine zähere wird, wird dasjenige, was als verhärteter Menschenleib dienen kann für den Intellektualismus, der immer mehr und mehr ausgebildet wird, indem die Drüsentätigkeit im menschlichen Leib verhärtet, wird der Menschenleib selber als solcher für den Verstand außerordentlich brauchbar. Aber den Zusammenhang mit der geistigen Welt muß sich der Mensch um so mehr mit der Seele erwerben. Von alledem wußten noch die Eingeweihten in den ersten christlichen Jahrhunderten, sie drückten nur die Sachen aus mit einem Mut, mit dem heute nicht mehr gesprochen wird. Sie sagten, die Menschen wären physisch allmählich immer kränker und kränker geworden, wenn nicht der Christus gekommen wäre und sie von der Seele aus gesund gemacht hätte. Daher wurde der Christus in den ersten christlichen Jahrhunderten nicht nur in unserer Abstraktion verehrt, sondern vor allen Dingen verehrt als der Heiler, als der große Weltenarzt, als der Heiland.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Über das Geistig-Seelische des Menschen Zwischen Tod und Neuer Geburt","site_heading":null,"date":"1922-10-14","location":null,"word_count":593,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/218/1922-10-14/p023","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/218/1922-10-14/p023"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/218/1922-10-14/p023","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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