Moralische Erziehung Vom Gesichtspunkte Der Anthroposophie

GA 218/1922-11-19_02/p010 ·1922-11-19 · original (original)
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Wir können dies etwa durch ein solches Beispiel erörtern: es kommen zu einem, wenn man mit solchen Dingen zu tun hat, Menschen, die sagen einem zum Beispiel das Folgende: Ach, mein Kind war immer ein braves Kind, es hat niemals etwas Unrechtes getan, und nun verfällt mir mein Kind in ein furchtbares Unrecht! — Frägt man genauer nach, was geschehen sei, erfährt man zum Beispiel: Ja, es hat der Mutter Geld gestohlen. - Wenn man in diesen Dingen bewandert ist, frägt man zunächst: Ja, wie alt ist das Kind? - Fünf Jahre! — Es ist also in erster Linie in ihm noch das nachahmende Prinzip in Tätigkeit. Man bekommt heraus: das Kind hat jeden Tag gesehen, daß die Mutter aus dem Schrank Geld nimmt; das ahmt es nach, hat überhaupt noch nicht irgendwie einen Impuls von Gut und Böse, sondern es hat nur den Impuls, dasjenige zu tun, was in seiner Umgebung getan wird. Wenn wir glauben, daß man mit Geboten von Gutem und Bösem an dem Kinde irgend etwas machen könne, geben wir uns der stärksten Illusion hin. Durch das, wodurch wir erziehen können, bewirken wir nur etwas, wenn wir vor das Kind hinstellen das Vorbild, das es nachahmen kann. Das geht bis in die Gedanken hinein. Oh, zwischen demjenigen, der erziehen soll, und dem Kinde, ist ein feiner, innerlicher geistiger Zusammenhang! Und wir sollten uns selbst in der Nähe des Kindes befleiRigen, nur diejenigen Gedanken und Empfindungen zu haben, welche auch von dem Kinde innerlich als Gedanken und Empfindungen nachgeahmt werden können. Denn, sehen Sie, es ist eben das Kind seelisch ganz Sinn, und es nimmt in den feinsten Regungen, von denen sich unsere Erwachsenensinne gar nichts träumen lassen, dasjenige wahr, was in seiner Umgebung vorgeht.

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