Die Erlebnisse Des Menschen Im Ätherischen Kosmos
Das ist nun etwas, was der Mensch heute noch nicht in seiner vollen, realen Bedeutung auch für das Erdenleben einsieht. Aber man kennt ja heute den Menschen eigentlich eben nur so, wie der Maulwurf die Museen kennt. Der Maulwurf, der den Boden unter den Museen durchwühlt, kann vielleicht seine Erfahrungen darüber aufzählen; aber darin wird nicht viel sein von dem, was ja doch über ihm ist. So ungefähr ist der Welt gegenüber in dem, was uns eine Erdenwissenschaft sein kann, solch ein «Maulwurfsstandpunkt» eingenommen; nur daß der Maulwurf auch leben könnte, ohne daß ein Museum über ihm ist — es hat nicht viel Zusammenhang mit ihm -, aber der Mensch ist mit dem, womit er zusammenhängt als mit der übersinnlichen Welt, innig verknüpft, er hängt damit zusammen. Ein Bewußtsein davon muß sich die Menschheit wieder erwerben. Es war einmal ein dumpfes, gedämpftes Bewußtsein für diese Dinge vorhanden, in das hineingeleuchtet wurde in den alten Mysterien, aber auch mit den alten Methoden. Diese alten Mysterien waren nicht einseitige Kultusstätten bloß. Ein Bedürfnis zu einseitigen Kultusstätten hat eigentlich erst die neuere Menschheit. Die neuere Menschheit muß schon abgesonderte Kulte treiben, weil sie egoistisch geworden ist und für das eigene Selbst eine Versicherung für die Unsterblichkeit haben will. Die kann gegeben werden, sie ist ja Tatsache. Aber der Mensch ist heute geneigt, das alles abgesondert voneinander zu treiben. Noch zu Paracelsus’ Zeit war es nicht so, da war die Heilkunde noch Gottesdienst. Wir müssen — obwohl wir Übergänge haben müssen — doch wieder dazu kommen, alles Erdenwirken als eine Vollendung eines geistigen Wirkens anzusehen. Nur obliegt es heute dem Menschen, gewissermaßen abgeschnürt von der geistigen Welt während seines Erdendaseins die Erdenereignisse durchzumachen; er würde sonst sein Freiheitsbewußtsein nicht erringen können. Aber die Zeit ist erfüllt, in welcher der Mensch sich abgeschnürt halten darf vom geistigen Dasein. Er muß wiederum sein Bewußtsein mit innerer Erleuchtung vom geistigen Dasein durchdringen, und dazu kann er heute die alten Methoden nicht benützen. Er muß durchgehen durch das, was ihm in der Gegenwart nach dieser Richtung geoffenbart werden kann.
Cite:
GA 218/1922-12-07/p021 · edition original