{"corpus":"steiner","locus":"GA 218/1922-12-07/p029","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"So hat schon dasjenige, was von erlebter Anthroposophie kommt, eine Kraft, den ganzen Menschen von sich aus zu erfüllen, wie einst aus dem ganzen Menschen das instinktive Hellsehen, also der instinktive Zusammenhang mit der geistigen Welt, bei der alten Menschheit vorhanden war. Wodurch sind wir denn heute solche intellektuellen Kerle geworden, und weshalb sind es die alten Menschen nicht gewesen? Weil eben die alten Menschen auch das wußten, was an Vorschriften aus dem ganzen Menschen kam. Heute lernt der Mensch zum Beispiel Geometrie; da wird ihm klargemacht, was eine Senkrechte ist. Nur aber schwebt das - man kann nicht einmal sagen: in der Luft —, was eine Senkrechte ist, das schwebt so im Ideellen, man weiß eben den Zusammenhang nicht. Niemals würde der Mensch zu einem Gefühl für eine Senkrechte gekommen sein, wenn er nicht selbst im Laufe seines Lebens ein Aufrechtgehender geworden wäre, so daß er das, was eine Senkrechte ist, in seinem Bewegungsvorgange fühlt. Und was so der ganze Mensch erlebt, das erlebt sein Kopf mit und macht es zur Senkrechten. Auf dieselbe Weise wird das, was der Mensch erlebt im Ausbreiten seiner Arme, zum Erleben der Waagerechten. Der Mensch, der ursprünglich in seinem Seelenleben als ganzer Mensch tätig war, hat sich allmählich beschränkt auf den Kopf, der alles nur bildlich darstellen kann. Und wie macht es nun der Kopf am Menschen? Ja, wenn ich gehe, so lebe ich anders, als wenn ich in einem Auto fahre: da geht das Auto, und ich bin ruhig. So macht es eigentlich im Menschen der Kopf: der ist faul, der hat sein Vehikel in meinem übrigen Organismus und läßt sich fahren, da kommt alles zur Ruhe, so wie wenn ich in einem Eisenbahnzuge sitze. Daher wird alles bildlich, abstrakt. Zu dieser Abstraktheit sind wir im Laufe des Erdendaseins gekommen. Wir müssen aber wieder zu dem kommen, was uns das Geistige im Dasein ergreifen läßt. Und dieses ergreift dann den ganzen Menschen. Es ist dies der umgekehrte Vorgang, als er beim alten Menschen vor sich ging, aber durch diesen umgekehrten Vorgang können wir wieder zur Erforschung des ganzen Menschen kommen. Auf diese Weise kommen wir dann auch wieder zu einer Kultur, die den ganzen Menschen erfüllt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Erlebnisse des Menschen im ätherischen Kosmos","site_heading":null,"date":"1922-12-07","location":null,"word_count":364,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/218/1922-12-07/p029","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/218/1922-12-07/p029"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/218/1922-12-07/p029","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}