{"corpus":"steiner","locus":"GA 218/1922-12-09/p027","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das ist im wesentlichen auch der Grundgedanke der «Philosophie der Freiheit». Der Mensch lernt mit dem Geiste das Gute aufnehmen. Wenn er das Gute nicht aufnimmt, ist er kein ganzer Mensch. Er ist ein verstümmelter, ein verkrüppelter Mensch. Er ist so, wie wenn ihm beide Arme weggeschossen wären. Wenn ihm beide Arme genommen sind, ist er physisch verkrüppelt. Wenn ihm das Gute fehlt, ist er seelisch-geistig verkrüppelt. Wandeln Sie diesen Gedanken mit seiner Wirkung auf Gefühl und Willen pädagogisch-didaktisch um und richten Sie die Erziehung so ein, daß der Mensch ein lebendiges Gefühl hat, wenn er geschlechtsreif wird, bis dahin muß es ausgebildet sein: Ich bin kein ganzer Mensch, ich habe nicht das Recht, mich Mensch zu nennen, wenn ich nicht gut bin — dann haben Sie einen guten moralischen Unterricht, einen moralischen Menschheitsunterricht gegeben, während alles Pochen auf moralisches Predigen und so weiter nichts ist. Nun, wenn Sie den Menschen so erziehen, daß er in sich das Moralische zu seinem Menschen, zu seinem individuellen Menschen gehörig betrachtet, und sich verkrüppelt fühlt, wenn er nicht das Moralische hat, eben gerade sich nicht ganz als Mensch fühlt, wenn er das Moralische nicht hat, kurz, wenn er das Moralische ganz in sich entdeckt, dann werden zwar allerlei Philosophen das schrecklich finden und es undeutsch, oder wie man will, nennen, während es gerade das reinste deutsche Produkt jedenfalls ist; aber es ist etwas, was das Geistige dann so nahe als möglich an den Menschen heranbringt, und zwar, wie wir heute es heranbringen müssen an das unmittelbar einzelne menschliche Individuum, weil nur die einzelne menschliche Wesenheit, das menschliche Individuum in dem heutigen Zeitalter zu seiner eigenen vollen Verantwortung kommt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Der Mensch Und Die Übersinnlichen Welten Hören, Sprechen, Singen, Gehen, Denken","site_heading":null,"date":"1922-12-09","location":null,"word_count":275,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/218/1922-12-09/p027","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/218/1922-12-09/p027"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/218/1922-12-09/p027","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}